Finanzmarktintegration Eckpfeiler für mehr Wachstum

21. November 2005, 12:56
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Der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank betont, dass Risiken nicht übersehen werden dürften

Wien - Die Vertiefung und Integration der europäischen Finanzmärkte seien wesentliche Eckpfeiler auf dem Weg zu mehr Wachstum und Beschäftigung in der erweiterten Europäischen Union, betonte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Klaus Liebscher am Montag bei der Eröffnung der diesjährigen Conference on European Economic Integration (CEEI) der Nationalbank in Wien.

Aufholprozess beschleunigen

Länder mit anfänglich schwächer entwickelten Finanzmärkten und vorwiegend klein- und mittelbetrieblicher Struktur könnten in besonderem Ausmaß von der Vertiefung der finanziellen Intermediation profitieren. Insbesondere der Aufholprozess der Wirtschaften in den zentral- und osteuropäischen Ländern, die diesem Muster entsprechen, könne dadurch beschleunigt werden. Dieser Aufholprozess sei wiederum untrennbar mit der Idee der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Integration in Europa und damit auch mit der Erreichung der Lissabon-Ziele verbunden.

Neben den positiven Auswirkungen dieser Integration dürfen jedoch auch die damit verbundenen Risiken nicht übersehen werden, betonte Gouverneur Liebscher. Zu diesen zählten die zunehmende Komplexität der Finanzstrukturen - insbesondere im Hinblick auf das Entstehen neuer Risikopotenziale - sowie die Implikationen starker grenzüberschreitender Portfoliokapitalflüsse auf Kapitalmarktstabilität und Geldpolitik.

Neue Herausforderungen

Dies stelle die Banken selbst, aber auch Gesetzgeber, Finanzmarktaufseher und Zentralbanken vor neue Herausforderungen. Es seien effiziente Mechanismen der Finanzmarktüberwachung auf nationaler Ebene, insbesondere aber auch eine enge Kooperation auf europäischer Ebene notwendig.

Für Zentralbanken sei die Entwicklung und Integration der Finanzmärkte auch aus einer geldpolitischen Perspektive von Interesse. Denn die Transmission geldpolitischer Signale im einheitlichen Währungsraum könne nur mit Hilfe effizienter und integrierter Finanzmärkte erfolgen. Finanzmarktintegration sei auch für das reibungslose Funktionieren der Zahlungs- und Abwicklungssysteme im Euroraum unerlässlich. Aus diesen Gründen seien Fragen der Finanzmarktentwicklung und -integration in den neuen EU-Mitgliedsländern bereits im Vorfeld ihrer Teilnahme an der Währungsunion von hoher Relevanz, betonte der Gouverneur. (APA)

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