tele.ring-Kauf - Entscheidung EU-Wettbewerbsbehörde heute erwartet

14. November 2005, 17:36
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Durch die Übernahme des viertgrößten durch den zweitgrößten Mobilfunkbetreiber gibt es künftig zwei Anbieter, die knapp 80 Prozent des Marktes kontrollieren

Die EU-Wettbewerbsbehörde wird voraussichtlich heute, Montag, über die Übernahme von tele.ring durch T-Mobile Austria entscheiden. Durch den Kauf des viertgrößten österreichischen Mobilfunkanbieters durch den zweitgrößten gibt es in Österreich künftig zwei nahezu gleich starke Marktführer: Mobilkom Austria - die Mobilfunktochter der börsenotierten Telekom Austria - und T-Mobile Austria - Tochter der Deutschen Telekom, eines der weltweit größten Telekomunternehmen. Die Deutschen hatten erst vor wenigen Tagen bekannt gegeben, trotz Rekordgewinns 32.000 Mitarbeiter abbauen zu wollen.

Sicher

Dass der Deal genehmigt wird, gilt als sicher, die Frage ist lediglich, ob Auflagen erteilt oder eine vertiefte Prüfung eingeleitet wird. Gegen die Übernahme hatte der private Konsumentenschutzverein "IVTK" eine Beschwerde wegen Unvereinbarkeit mit dem Gemeinschaftsrecht eingereicht.

T-Mobile hatte tele.ring im August 2005 um 1,3 Mrd. Euro gekauft. Die Übernahme war für die Deutsche Telekom die größte Akquisition seit dem Kauf des US-Mobilfunkbetreiberes VoiceStream (heute: T-Mobile USA) vor fünf Jahren. Ab 2006 sollen die beiden Unternehmen und Netze zusammengeführt werden. Tarife, Marke und Vorwahl von tele.ring bleiben vorerst unverändert. tele.ring-Boss Michael Krammer (45) soll Gerüchten zufolge neuer Chef beim deutschen Mobilfunkanbieter E-Plus werden. Er selbst sagte dazu Ende Oktober lediglich: "Ich habe mehrere Angebote, auch aus dem Ausland."

Noch nix gemerkt

Wie die Nummer 1 am österreichischen Markt, die Mobilkom, kürzlich erklärte, habe man die geplante Fusion am Markt noch nicht bemerkt. Es sei lediglich festzustellen, dass tele.ring nicht mehr so schnell wachse wie in der Vergangenheit. Als tele.ring am 26. Mai 2000 mit seinem Mobilfunkangebot on air ging, waren viele Branchenkenner skeptisch. Fünf Jahre später hat der damals kleinste Mobilfunker mit einer aggressiven Preis- und Werbepolitik unter den Mitbewerbern kräftig zugelegt. Legendär ist der Werbespruch "Weg mit dem Speck", der 1-Cent-Tarif - zuerst als Kurzzeit-Marketing-Gag belächelt - sitzt heute noch den Konkurrenten im Nacken.

Laut "Financial Times Deutschland" wird der Marktwert von tele.ring von Analysten auf 600 Mio. Euro geschätzt. Der Nettogewinn des Unternehmens wuchs nach Eigenangaben im ersten Quartal 2005 von 20 auf 23 Mio. Euro. Der Umsatz erhöhte sich um fast 9 Prozent auf 126,1 Mio. Euro. Seit Februar 2005 ist das Unternehmen schuldenfrei.

Die Zahl der Mobilfunkkunden stieg gegenüber dem 1. Quartal 2004 um 26 Prozent auf 917.400. Insgesamt zählte tele.ring im Oktober des heurigen Jahres 995.000 Mobilfunker, T-Mobile brachte es auf 2,051.000 Personen, macht für tele.ring einen Marktanteil von 12 Prozent, für T-Mobile von 25 Prozent. Marktführer Mobilkom verzeichnet 41 Prozent, One 19 und "3" (Hutchison) 3 Prozent. Das geht aus den aktuellen Zahlen der Telekom-Regulierungsbehörde RTR hervor.(APA)

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