PRO Verschluss-Alternativen

21. Juni 2007, 13:55
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Weinjournalist Michael Prónay tritt vehement für Alternativverschlüsse wie den Drehverschluss ein

Michael Prónay ist Weinjournalist für das österrreichische Gourmetmagazin „A la Carte“ und die Wein-Fachzeitschrift „Vinaria“. Er verkostet bis zu 3000 Weine jährlich für diese beiden Magazine und ist bei seinen Verkostungen mit Fehlerquoten in einem Ausmaß konfrontiert, das weit über von Korkbefürwortern oder der Industrie zugegebene Maß hinausgeht. So auch „der absolute Tiefpunkt“ bei der Verkostung von 94 Bordeauxweinen des Jahrgangs 1995 im Jänner 2005, bei der mehr weit über 30 Prozent der Weine fehlerhaft waren: entweder eindeutig nach Kork schmeckend, oder aber, weil der Vergleich mit der Zweitflasche das belegte.

Ein großes Problem sind seiner Meinung nach jene vor allem Flaschen, die sogenannte schleichende Korkfehler haben: jene zarten Fehlgeschmäcker (wie „maskierte“ Frucht), die vordergründig nicht als Kork identifizierbar seien, aber einen Wein einfach nicht so gut schmecken ließen, wie er sein sollte. „Fehlerhaft“ ist für ihn daher jede Flasche, bei der die aufgrund des leisesten Verdachts geöffnete Zweitflasche erkennbar besser schmeckt. „Das ist eine Vergleichsmöglichkeit, die der Weinfreund außerhalb professioneller Verkostungen selten hat. Aber einen nicht schmeckenden Wein wird er aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht mehr kaufen wollen.“ Ein weiteres, weniger bekanntes Korkproblem ist das der zufälligen Oxidation: „Wenn Flaschen einfach viel weiter entwickelt sind und müder schmecken als sie sollten (wiederum durch die Kontrollflasche belegt), dann ist das ebenfalls ein Korkproblem, das auf die extreme Schwankungsbreite der Sauerstoffdurchlässigkeit der Korken zurückzuführen ist.“

Prónay tritt vehement für den Drehverschluss ein: „Wir haben über 40 Jahre Erfahrung damit. Er ist technisch ausgereift. Jede Flasche schmeckt gleich, und zwar so, wie der Winzer den Wein haben wollte.“ Geschützt werden müsse vor allem der Inhalt, das Produkt Wein, in das ein Winzer all seine Sorgfalt und Erfahrung lege, um es perfekt in die Flasche zu bringen. Dass Weine unter dem Drehverschluss nicht reifen würden, sei auch eine Legende: „Natürlich reifen sie, das ist längst bewiesen, nur ein wenig anders, etwa wie in einem sehr kühlen im Vergleich zu einem normalen Keller. Was kann sich der Weinfreund besseres wünschen?“

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    foto: standard/cremer
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