Grünes Lüfterl

22. November 2005, 12:32
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Frische, junge Kandidaten für die Nationalratswahl hatten keine Chance - zumindest wenn es um sichere Plätze ging - Von Peter Mayr

Die gute Nachricht für die Grünen: Ihr Bundeskongress ist ohne gröbere Schwierigkeiten über die Bühne gegangen. Die schlechte Nachricht: Es ist nicht gelungen, ein neues, dynamischeres Profil der Partei zu zeigen. Nach den enttäuschenden Wahlergebnissen in der Steiermark und im Burgenland und dem Verfehlen des selbst gesteckten Wahlzieles in Wien hatte man sich intern eine Radikalkur verordnet. Der Auftritt sollte "schärfer" werden. Doch aus dem frischen Wind ist an diesem Wochenende nur ein laues Lüfterl geworden.

Ein anschauliches Beispiel dafür liefert die Kandidatenliste für die Nationalratswahl. Der AK-Budgetexperte Bruno Rossmann ist die einzige Neuerwerbung - sonst gibt es nur alte Gesichter. Frische, junge Kandidaten hatten bei den Delegierten jedenfalls keine Chance - zumindest wenn es um sichere Plätze ging. Grüner Mut sieht anders aus.

Wie die Liste war die gesamte Veranstaltung in Innsbruck: brav und ruhig. Bei den Themen setzt die Partei auf grüne Selbstläufer wie Umwelt und Bildung. Zentral soll der Kampf gegen die Armut sein. Eine nationale Grundsicherung müsse her. Selbst Delegierte fragten sich da offen, wie denn dies den Wählern nahe gebracht werden kann. Im Wiener Wahlkampf hat das Thema jedenfalls kaum gefruchtet - der vierte Platz veranschaulicht das deutlich. Und die Wiener Landesgruppe muss ganz auf Bürgermeister Michael Häupl hoffen, dass er ihren Ruf überhaupt erhört.

Eines hat der Bundeskongress den Grünen mit einem kleinen, aber heftigen Scharmützel über Statuten dann doch gezeigt. Der "Fundi"-Flügel in der Partei ist überblickbar, und er steht isoliert da. Wo, ist sehr leicht auszumachen: Man braucht nur nach Wien zu schauen. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.11.2005)

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