"Wir sind offen für Partner"

21. November 2005, 12:56
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Do-&-Co-Chef Attila Dogudan schaut sich nach strategischen Partnern um und erzählt im STANDARD-Interview was er in den arabischen Wüsten und in Wien vorhat

STANDARD: Do & Co geht unter die Hoteliers und eröffnet Ende Jänner im Haas-Haus am Wiener Stephansplatz. Ihr Hotel hat viel Konkurrenz und nur 45 Zimmer. Wie soll sich das rechnen?

Attila Dogudan: Die Marke, der Ort und das Boutique-Hotel-Konzept machen schon Sinn. Bei 45 Zimmern um 200 Euro je Nacht kann man nicht sehr danebenhauen, das Hotel rechnet sich ab 60 Prozent Auslastung. Und: Alles ist besser als ein Restaurant zu haben. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht müsste man Restaurants zweimal zusperren und den Schlüssel mit Stein in der Donau versenken. Das Geld wäre auf dem Sparbuch besser aufgehoben.

STANDARD: Warum tun Sie's dann?

Dogudan: Wegen der Umwegrentabilität: Im Restaurant erkennen und testen wir neue Trends. Die Restaurants sind unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung, ohne sie gingen die anderen Divisionen Event- und Airline-Catering nicht so erfolgreich.

STANDARD: 2006 bauen Sie die Do & Co AG um, die zu 51 Prozent Ihrer Stiftung und zu mehr als 30 Prozent Raiffeisen gehört: oben die börsennotierte Do-&-Co-Holding, darunter drei Gesellschaften für Event- und Airline-Catering und die Restaurants. Holen Sie Partner ins Boot?

Dogudan: Unsere Türen sind für Partner offen, in zwei, drei Jahren werden wir eine strategische Partnerschaft mit einem Dritten eingehen. Jede unserer drei Divisionen braucht Eigenständigkeit, diese Gesellschaften unten sollen Partnerschaften eingehen können. Ein Partner für die Holding drüber müsste schon eine weltbewegende Superbraut sein. Do & Co ist ja völlig schuldenfrei - ein Wirtshaus, das 140 Mio. Euro, in altem Geld also zwei Mrd. Schilling, umsetzt und 2000 Mitarbeiter hat.

STANDARD: Wie groß soll Do & Co werden?

Dogudan: Wir sind zu groß, um klein zu sein, und eine Spur zu klein, um groß zu sein. 50, 60 Mio. Euro fehlen uns noch fürs Großsein, ab 200 Mio. sind wir dabei. Als ich anfing, hatten wir 2000 Schilling Tagesumsatz, da war mein Traum eine Milliarde Schilling. Jetzt sage ich: Wir können 500 Mio. Euro Umsatz erreichen. Wenn wir unsere Märkte entwickeln, auf denen wir jetzt nicht mehr die Hose verlieren, sondern nur noch hie und da einen Socken.

STANDARD: Sie sind in Frankfurt, New York, London. Wohin gehen Sie als Nächstes?

Dogudan: Die Türkei kommt wie das Amen im Gebet, 2006 machen Turkish Airlines eine große Ausschreibung, das ist eine der schnellstwachsenden Fluglinien. Und die Konditorei Demel kann betriebswirtschaftlich nur via Expansion Sinn machen. London, New York, die Türkei, der arabische Raum sind aufgelegte Märkte, die Leute lieben die k. u. k. Tradition. Ich war unlängst in Dubai und Katar. Dort verkauft das Pariser Feinkosthaus Fauchon auf Silbertabletts Konfekt um 500 Euro. Das Silber verkaufen sie mit. In Wien tu ich mir schwer, die Papierschachtel mit zu verkaufen. In Arabien besuchen die Leute einander ständig, was sonst soll man in der Wüste auch tun. Sie bringen Süßigkeiten, und jeden Tag Baklava geht dir auch auf die Nerven. Wir könnten Charme, Tradition und unsere Produkte hinbringen.

STANDARD: Bei den Airlines sehen Sie trotz Billigfliegern noch Potenzial?

Dogudan: Immer mehr Airlines setzen auf Essen als Marketing- und Qualitätsinstrument. Die Billigairlines haben ein anderes Konzept.

STANDARD: Seit 9/11 ist Do & Co mit Raiffeisen liiert. Wie passen Sie zusammen?

Dogudan: Die Kooperation funktioniert extrem gut, ich kann auch mit Christian Konrad ausgezeichnet. Ich bin in meiner Seele genauso ein Bauer, der auf solider Erde steht und das Reservegeld in der Schublade hat. Wirtschaftlich ist Do & Co konservativ. Und ich hasse Schulden, habe eine Phobie, abhängig zu sein: Meine Eltern haben in Istanbul mit nix begonnen und unter den Kredithaien gelitten. Mein Vater meinte, "Banken sind dann gut, wenn du sie nicht brauchst." Das ist der richtige Slogan.

STANDARD: Sie bieten um die AUA-Catering-Tochter Airest mit. Ihr Verhältnis zur AUA ist seit jeher eisig, sehen Sie trotzdem Chancen?

Dogudan: Hält uns die AUA für den richtigen Partner, wird sie unser Angebot annehmen. Faktum ist, dass wir, abgesehen von der Lauda Air bis 2009, daheim nicht im Airline-Catering sind. Das kränkt mich. International reüssieren wir bei den besten Fluglinien.

STANDARD: Sie sprechen oft vom "sozialen Kapitalismus" . Was verstehen Sie darunter? Bei Ihnen gibt es nicht einmal einen Betriebsrat.

Dogudan: Ich finde es gar nicht lustig, wenn Unternehmen mit Riesengewinnen Leute rauswerfen. Manager wie Eigentümer sollen gut verdienen, aber nicht das Zehnfache von den Bankzinsen, das bringt nur Ungerechtigkeit. Und wir hier fahren auch ohne Betriebsrat nicht schlecht. Wir schaffen Jobs und könnten den Umsatz verdoppeln, wenn wir nur genug passende Leute fänden.

STANDARD: Vielleicht zu hohe Ansprüche?

Dogudan: Genau das macht mich so fertig in Österreich: diese Verherrlichung der Durchschnittlichkeit. Da wird Schlechtes gutgeredet, statt vorzuleben, dass es sich auszahlt, in Qualität und Anstand zu investieren. Wir sind eben anders. Ich will in einer Generation eine Marke schaffen, die zu den besten der Welt zählt. Das ist mein Traum.

STANDARD: Überdurchschnittlich.

Dogudan: Ätzen Sie nur, ich sagen Ihnen: In drei, vier Jahren könnten wir dort sein.

STANDARD: Was tun Sie danach?

Dogudan: Keine Ahnung, ich mache meinen Job ja sehr gern. Ist zwar keine Erholung, aber echt lässig. Normalerweise wollen Manager nach ihrer Karriere immer ein Wirtshaus aufmachen. Das will ich sicher nicht.

Zur Person Attila Dogudan, "46 und zu alt", wuchs in Istanbul auf; seine Eltern führten das Restaurant Kervansaray in Wien. Jung-Dogudan brachte es zum Tischtennismeister, die Matura holte er per Abendschule nach. 1981 eröffnete er sein erstes Lokal, setzte damit eine Mio. Schilling in den Sand. 1983 begann er mit dem Catering; heute beliefert Do & Co Events aller Art, Formel-1-Rennen, 20 Airlines - Basis dafür war Dogudans Freundschaft zu Niki Lauda. Dogudan gilt als bekanntester Gastronom Österreichs, besteht aber darauf, "alles ohne Schiebereien und Freunderlwirtschaft erreicht zu haben". (Renate Graber, DER STANARD, Print-Ausgabe, 14.11.2005)

  • Do-&-Co-Chef Attila Dogudan peilt 500 Mio. Euro Umsatz an. "Das klingt zwar bescheuert, ist aber drin", sagt er
    foto: standard/urban

    Do-&-Co-Chef Attila Dogudan peilt 500 Mio. Euro Umsatz an. "Das klingt zwar bescheuert, ist aber drin", sagt er

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