Sozialisten kritisieren Sarkozy

18. November 2005, 15:53
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PS-Chef Hollande: "Minister seines eigenen Wahlkampfes"- Ex-Minister Strauss-Kahn schlägt Ausgangssperre für Sarkozy vor

Paris - Am Sonntag hat sich die Kritik der Sozialisten an der Handhabe der Unruhen in französischen Vorstadtzonen durch Innenminister Nicolas Sarkozy (UMP) gehäuft. Sarkozy sei kein Innenminister, sondern "der Minister seines eigenen Wahlkampfes", sagte etwa Sozialistenchef Francois Hollande (PS) im Sender "Canal Plus". Er fügte hinzu: "Wenn man Innenminister ist, dann spricht man nicht wie ein Kandidat." Sarkozy, der seine Kandidatur für den Elysee-Palast im Jahr 2007 bereits angekündigt hat, verwendete in Bezug auf die Vorstadtjugend die Begriffe "Gesindel" und "Ganoven".

"Worte können Feuer anlegen, und Worte reichen nicht aus, um den Brand zu löschen", betonte Hollande und fuhr fort: "Was mich schockiert hat, ist die Erklärung Sarkozys, dass er wie alle Welt gesprochen habe. Wenn man Innenminister ist, spricht man nicht wie alle Anderen, man spricht für alle Anderen."

"Zunahme der Spannungen"

Der ehemalige sozialistische Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn machte dagegen den Vorschlag, eine Ausgangssperre über Sarkozy zu verhängen, um eine "Zunahme der Spannungen" in den Vorstädten zu vermeiden. "Man hat das Gefühl, dass sich der Innenminister immer aufregen muss, um sicher zu sein, im Rampenlicht zu stehen", sagte Strauss-Kahn im Hörfunk "Radio J" und fügte hinzu: "Man fragt sich, über wen man heute das Ausgangsverbot verhängen muss. All jene, die eine Zunahme der Spannungen verursachen können, sollten zur Seite gestellt werden."

Auch Strauss-Kahn verurteilte Sarkozys Bezeichnung der Vorstadtjugend als "Gesindel" und "Ganoven" als "Provokation". "Er soll seine Arbeit machen", sagte der Sozialist in Bezug auf den Innenminister, dessen Besuch auf den Champs-Elysees am Samstag er als "besonders überraschend" bezeichnete. Bei dem Anlass war der Innenminister mit Buh-Rufen und Beschimpfungen empfangen worden.

Ebenfalls am Sonntag machte der ehemalige sozialistische Erziehungsminister Jack Lang die konservative Regierung für die gegenwärtigen Unruhen verantwortlich. Der Sozialist bezeichnete die Regierung als "Unruhestifter". "Das Scheitern kommt nicht vom französischen Modell, sondern von der schlechten Regierungspolitik, die eine Klassenpolitik führt", kritisierte Lang im britischen Hörfunk BBC. (APA)

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