Ausgrabungen in Troja sollen weiter gehen

22. November 2005, 15:32
posten

Nach dem Tod des langjährigen Grabungsleiters Manfred Korfmann neue Lizenz beantragt

Tübingen - Die Ausgrabungen in Troja sollen auch nach dem Tod des langjährigen Grabungsleiters Manfred Korfmann weiter gehen. Eine neue Grabungslizenz sei beantragt, sagte sein Nachfolger Peter Jablonka am Wochenende in Tübingen. Die bisherige Lizenz war an die Person Korfmanns gebunden. Das deutsche Grabungsteam setze sich zudem bei der türkischen Regierung dafür ein, dass in Troja ein Museum gebaut wird, was ein langjähriger Wunsch Korfmanns war, sagte Jablonka.

Weitere Forschungsgelder

Für neue Grabungen in der Türkei haben die Archäologen nach Jablonkas Angaben auch weitere Forschungsgelder beantragt. In den kommenden Jahren soll der Fokus auf kleinere Ausgrabungen zur weiteren Erforschung der bronzezeitlichen Unterstadt und der Suche nach bronzezeitlichen Gräberfeldern liegen. Zudem sollen Auswertung und Publikation der umfangreichen Funde im Mittelpunkt stehen. Bei den Untersuchungen in diesem Sommer in Troja hätten die Forscher unter anderem die magnetische Untersuchung des Geländes abgeschlossen und dabei Stellen entdeckt, wo sich Gräber und Verteidigungsgräben in der Erde verbergen könnten, sagte Jablonka. Im ursprünglichen Zentrum der Burg hätten sie zudem Reste von Streitwagen und Schwertern gefunden, außerhalb der Burg überraschend Befestigungsmauern und Wohnbauten entdeckt.

Mythos um Troja

Dem im Alter von 63 Jahren gestorbenen Korfmann war es mit seiner langjährigen Grabungsarbeit gelungen, den vom griechischen Schriftsteller Homer geschaffenen Mythos um Troja neu zu beleben. Der Wissenschafter ging davon aus, dass Troja jahrhundertelang einen bedeutenden Handelsknotenpunkt zwischen Ägäis und Schwarzem Meer darstellte, was er durch seine Grabungen bestätigt sah. Dies wurde von manchen Kollegen jedoch für unwahrscheinlich gehalten. Insgesamt 13.240 Quadratmeter Troja-Boden durchsuchte Korfmann mit 370 Wissenschaftern. 1996 erreichte er, dass die türkische Regierung den Historischen Nationalpark Troja einrichtete. 1998 wurde Troja zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Möglicherweise das Amphitheater von Troja: die Expertenmeinungen gehen auseinander.

Share if you care.