Pischetsrieder will in VW-Affäre von Managern Millionen zurückfordern

21. November 2005, 15:05
posten

Spekulationen um Auseinandersetzungen bei Aufsichtsratssitzung - "Es geht um das Geld unserer Aktionäre" - VW-Spitze gegen Neumann

Wolfsburg - Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder will den durch die Korruptionsaffäre entstandenen Schaden von den beteiligten Managern zurückfordern. "Es geht um das Geld unserer Aktionäre. Wir werden versuchen, jeden einzelnen Euro, der dem Konzern an Schaden entstanden ist, zurückzuholen", zitierte die "Welt am Sonntag" den Firmenchef. In der Vergangenheit hatte VW bereits Schadenersatz gegen den im Zusammenhang mit der Affäre zurückgetretenen Personalvorstand Peter Hartz nicht ausgeschlossen.

Fünf Millionen Euro Schaden

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatte in ihrem am Freitag vorgelegten Zwischenbericht den direkten finanziellen Schaden für Volkswagen durch die Machenschaften der gefeuerten Manager Helmuth Schuster und Klaus-Joachim Gebauer auf fünf Millionen Euro beziffert.

Am Freitag hatte der Aufsichtsrat auch den langjährigen hauptberuflichen Gewerkschaftsfunktionär Horst Neumann als Nachfolger von Hartz ernannt. Dabei setzte Aufsichtsratschef Ferdinand Piech mit den Arbeitnehmervertretern Neumann, der seit 2002 Personalvorstand bei der VW-Tochter Audi ist, gegen den Willen der Anteilseigner und gegen Konzernchef Pischetsrieder durch.

Gegen Neumann

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" befürchten Pischetsrieder und Markenvorstand Wolfgang Bernhard, dass Neumann den Sparkurs im Konzern torpedieren könnte. Hochrangige VW-Manager befürchteten nun, dass Sanierer Bernhard den Konzern verlassen könnte, schrieb das Magazin. Laut Medienberichten soll sich auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der als Vertreter des VW-Großaktionärs Niedersachsen im Aufsichtsrat sitzt, bis zum Schluss gegen Neumann ausgesprochen haben. Wulf habe vor einem Schaden für VW gewarnt, wenn der Personalchef gegen den Willen von Vorstand und Großaktionär Niedersachsen installiert würde. Die Gegenseite habe gekontert: "Wir haben die Mehrheit." Ein VW-Sprecher wollte die Berichte nicht kommentieren

Unterdessen berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", Volkswagen und sein neuer Großaktionär Porsche hätten sich auf einen Grundlagenvertrag für ihre weitere Zusammenarbeit geeinigt. Die Vorstände der beiden Konzerne hätten das Abkommen bereits unterzeichnet, zitiert die Zeitung einen Porsche-Sprecher. Der Vertrag regelt dem Bericht zufolge die Konditionen für künftige gemeinsame Projekte der beiden Autobauer. Er sei nötig geworden, nachdem Porsche 18,5 Prozent der VW-Aktien erworben hatte und somit nicht nur Kunde, sondern auch Miteigentümer in Wolfsburg ist. Das jetzt ausgehandelte Abkommen solle garantieren, dass Porsche von VW nicht bevorzugt, sondern zu den selben Bedingungen wie Dritte behandelt werde. (APA/AP)

Share if you care.