Betriebliche Weiterbildung: "Licht ins Dunkel"

17. November 2005, 22:34
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Messe-Thema: Mehr Transparenz zwischen Angebot und Nachfrage am Weiterbildungsmarkt

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit darüber, was der Arbeitsmarkt in Zukunft vermehrt brauchen werde, steht eine zurzeit weit auseinander klaffende Lücke, so zu lesen im kürzlich erschienenen "Handbuch der betrieblichen Weiterbildung" von Konrad Fankhauser. Denn: Auch wenn Weiterbildung als der entscheidende Faktor für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit gelte, zeige die betriebliche Realität ganz anderes. Nur jedes dritte Unternehmen habe Fortbildungsprogramme etabliert - durchschnittlich würden lediglich 0,05 Prozent des Umsatzes in Weiterbildung investiert.

Und auch was entsprechende Programme betrifft, scheint das Angebot sich nicht auf die Nachfrage zu stützen: So werde einerseits verteiltes Arbeiten und Veränderungskompetenz bei der Weiterentwicklung der Mitarbeiter als essenziell bewertet, andererseits aber beurteile nur ein Viertel der Betroffenen die diesbezüglich im eigenen Unternehmen angebotenen Programme zur Schulung dieser Fähigkeiten als wirksam.

Im EU-15-Vergleich

Österreich liege, wird aus einer Studie der 3s Unternehmensberatung zitiert, in Sachen betrieblicher Weiterbildung im letzten Drittel. Zwar würden 72 Prozent der heimischen Betriebe Weiterbildung anbieten, allein 31 Prozent der Arbeitnehmer nehmen dieses Angebot an. Österreich liege - mit einem Weiterbildungsstundendurchschnitt von neun Stunden - unter dem EU-Durchschnitt auf Platz elf. Pro Jahr und Mitarbeiter würden 365 Euro für Weiterbildung aufgewendet - im EU-Ranking ist das der wenig ruhmreiche drittletzte Platz.

Niki Harramach, Sprecher der österreichischen WirtschaftstrainerInnen (WKÖ), Geschäftsführer des Trainerinstitutes "Harramach & Partner" und Verfasser des Vorwortes zu Fankhausers Buch, fordert "Licht ins Dunkel", dies auch was Qualitätsmerkmale betreffe. Die Trends lägen nämlich auf der Hand:

  • Bildung wird mehr Organisationsnähe aufweisen müssen, umfassendes Bildungscontrolling sei unumgänglich.

  • Bildungsmaßnahmen werden effizienter und effektiver werden müssen.

  • Informations- und Kommunikationstechnologien werden wichtiger, betriebliche Weiterbildung werde internationaler.
    (haa/Der Standard, Printausgabe 12./13.11.2005)
  • Konrad Fankhauser:
    "Handbuch der betrieblichen Weiterbildung. Ein Leitfaden für PersonalistInnen und TrainerInnen"
    WUV Universitätsverlag (2005)
    ISBN 3-85114-924-6
    Euro 24,90
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