Lernen "in der Praxis"

6. Dezember 2005, 12:50
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Als Notwendigkeit für den Lobbying-Beruf nennt Elisabeth Kaiser vor allem Vermittlungsfähigkeit

Ihre Erfahrung stellt sie seit dem Sommer mit einer kostenlosen Konfliktberatung in einigen Wiener Bezirksvorstehungen zur Verfügung.

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"Es sind Parallelen zu erkennen", ist Lobbyistin Elisabeth Kaiser in Hinblick auf eine deutsche Vergütungsstudie, ihre Branche betreffend, sicher. Wenngleich es "für Österreich keine entsprechende Untersuchung" gebe - schließlich sei die Gehaltsstruktur "eines der bestgehüteten Geheimnisse im Unternehmen".

Laut der Anfang Herbst zum 15. Mal von der Managementberatung Kienbaum vorgelegten Untersuchung ("Führungskräfte in Verbänden 2005") verdient der Hauptgeschäftsführer eines deutschen Wirtschaftsverbandes im Jahresdurchschnitt 114.000 Euro, und damit um 22.000 Euro mehr als sein vergleichbar positionierter Kollege in einem politischen Verband.

Die Gehaltsspanne reicht von 22.000 bis 300.000 Euro pro Jahr, wobei der Trend zur variablen Vergütung zunimmt, die sich am betrieblichen Erfolg aufgrund der Führungsperformance orientiert. Auch hier zu Lande sei dieser Trend in der Public Affairs-und Lobbying-Praxis unübersehbar, meint Kaiser: "Es gibt ein Fixum und eine Akquisitions- oder Erfolgsprämie."

Im Unterschied zu Deutschland, wo es verschiedene Lobbying-Ausbildungen gebe, lernen die österreichischen Lobbyisten großteils "in der Praxis". Zusammenschlüsse wie die Public Affairs Society Austria (PASA), in die man nur unter Nachweis entsprechender Fähigkeiten aufgenommen werde, bescheinigen ihren Mitgliedern ein Mindestmaß an beruflicher Qualifizierung.

Der Großteil in der Branche habe ein Hochschulstudium absolviert, "vor allem Jus, Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaft oder Publizistik. Danach landet man oft in der Politik, macht dort seine Praxis." Für eine seriöse Lobbyingtätigkeit "ist die genaue Kenntnis politischer Entscheidungsstrukturen wichtig." Das Einstiegsgehalt eines Assistenten entspreche "dem eines durchschnittlichen Jungakademikers".

Vermittlungsfähigkeit

Ähnlich der deutschen Geschlechterverteilung liege auch bei den Österreichischen Berufs-Interessenvertretern die Frauenquote bei etwa 20 Prozent - "steigend". Dass Frauen es schwerer als ihre Kollegen hätten, sieht sie allerdings nicht so: "Im Gegenteil." Ihr selbst komme zugute, "dass ich auch noch Mediatorin bin, denn Vermittlungsfähigkeit ist im Lobbying natürlich sehr gefragt."

Diese Vermittlungsfähigkeit kommt nun auch den Wiener Bürgern zugute, seit Kaiser - gemeinsam mit ihrer Kollegin Susanne Helmy - in vorerst sechs Wiener Bezirksvorstehungen Servicestellen für Konfliktconsulting eingerichtet hat. "Konflikte sind in unserer Gesellschaft ein Tabuthema, werden als Problem gesehen und nicht als Chance", bündelt Kaiser ihren persönlichen Antrieb, der auf Veränderung aus ist. Seit Juni wurden hauptsächlich Nachbarschafts- und Baukonflikte behandelt, "aber es waren auch schon einige Unternehmer da", von deren Seite die kostenlose Erstberatung immer mehr Akzeptanz erfahre. Einer habe "gleich einen seiner Arbeitnehmer mitgebracht", um einem Konflikt rasch beizukommen. "Die Mediation hat wohl ganz gut funktioniert", schließt Kaiser, "da keiner von beiden zu einem weiteren Termin aufgetaucht ist." (Bernhard Madlener/Der Standard, Printausgabe 12./13.11.2005)

  • Elisabeth Kaiser: Seriöses Lobbying verlangt nach der genauen "Kenntnis politischer Entscheidungsstrukturen".
    foto: privat

    Elisabeth Kaiser: Seriöses Lobbying verlangt nach der genauen "Kenntnis politischer Entscheidungsstrukturen".

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