Doktorat: "Lokomotive der akademischen Ausbildung"

23. August 2006, 14:33
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Rektor Wegscheider: "Das österreichische Modell ist ausbaufähig" - Einigkeit über Forschungsorientierung des Doktorats und Notwendigkeit von Verbesserungen

"Wir haben erfahren, dass das Doktoratsstudium so ziemlich im Argen liegt", erklärt Thomas König vom ÖH-Doktorat und der Studienvertretung für das Doktoratsstudium den Stand der Dinge zum Doktoratsstudium in Österreich aus seiner Sicht.

In der Zeit von Zulassungsbeschränkungen an österreichischen Universitäten, die es so manchem Studiumswilligen schwerer machen, überhaupt einen Platz in seiner Wunschstudienrichtung zu ergattern, ergeben sich auch für jene Probleme, die sich nach ihrem Studium zu einem Doktorat entschließen. Vor allem die finanzielle Lage, unzureichende Kommunikation und die Dauer des Doktorats machen es den DoktorandInnen nicht gerade leicht. Im Herbst dieses Jahres werden die Bestimmungen im Universitätsgesetz 2002 (UG02), die das Doktoratsstudium betreffen, novelliert und damit an den Bologna-Prozess angepasst. Eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Zukunft des Doktoratsstudiums in Österreich" widmete sich Problemen des Doktoratsstudiums sowie Perspektiven für die Zukunft.

Diagnose: ausbaufähig

"Aus meiner Sicht ist das Leitmotiv, es muss besser werden", so das Eröffnungsstatement von Wolfhard Wegscheider von der österreichischen Rektorenkonferenz. "Die Diagnose ist: das österreichische Modell ist ausbaufähig." Er ist überzeugt: "Wir müssen lernen das Doktorat zu abstrahieren von einer reinen Titelsucht."

Problem der Definition

"Insbesondere in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ist noch nicht klar, was das Doktorat sein soll", spricht Wolfgang Eppenschwandtner, ÖH-Doktorat, ein anderes Problem an. Für ihn gibt es aber keinen Zweifel: "Es soll klar ein Forschungsdoktorat sein." Er fordert bessere Kommunikation untereinander und die Offenheit des Doktorats.

Mehr Forschung

Wegscheider fordert eine allgemeine Verbesserung der Forschungsstrukturen: "Die Universität muss sich dazu bekennen, dass ein Doktorat die Lokomotive oder das Flaggschiff der akademischen Ausbildung ist." Das Doktorat müsse rundherum attraktiv sein. Dazu schlägt er vier Bereiche vor, wie man es besser machen könnte: Eine bessere Organisation durch die Unis selbst, eine bessere Betreuung der Nachwuchsforscher, eine bessere Ausstattung und eine bessere Bezahlung inklusive einer sozialen Absicherung.

Mehr Kommunikation

Ein gemeinsames Anliegen auf dem Podium ist eindeutig die Verbesserung der Kommunikation und die Einbindung der jungen Wissenschaftler in die "Scientific Community". "Die Vernetzung von Doktoranden ist ganz ganz wichtig", ist Rupert Gaderer vom Wiener StipendiatInnen-Klub der ÖAW überzeugt. Wichtig seinen auch "Graduiertenkonferenzen, wo die Doktoranden in die Scientific Community eingegliedert werden können, wo sie auch ihr Projekt vorstellen können." Auch Wegscheider schließt sich dieser Meinung an: "Wenn wir Forscher haben wollen, müssen wir sie zur Kommunikationskultur erziehen, dazu gehört auch die Kommunikation mit Älteren."

Mehr Geld

Herbert Mang von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die selbst in die Förderung von Doktoratsprogrammen involviert ist, erklärt: "Die Förderungen sind als Exzellenzprogramme gedacht, das soll es den jungen Wissenschaftlern ermöglichen, sich ganz auf ihre Forschung zu konzentrieren." Auch die gezielte Frauenförderung auf dem technischen Sektor sei ihm ein Anliegen. Kritik kommt von ihm zum immer höher werdenden Anspruch, der an die Doktoranden heute gestellt wird: "Es geht um die Arbeit von Beginnern, man muss sich nicht erwarten, dass sie den höchsten Erwartungen entspricht, da ist mehr Flexibilität gefragt." Ein anderes Problem finanzieller Natur spricht Adelheid Lempradl vom Wiener StipendiatInnen-Klub der ÖAW an: "Gerade bei den Naturwissenschaften ist das Problem, wie gut das Labor ausgestattet ist, wo man arbeitet." Eine gute Ausstattung würde die Dauer des Doktoratsstudiums entscheidend verkürzen.

Von Marietta Türk

Links

www.doktorat.at

www.oeaw.ac.at

  • Am Podium v.l.n.r.: Wolfhard Wegscheider (Österreichische Rektorenkonferenz),
Herbert Mang (Präsident Österreichische Akademie der Wissenschaften), Adelheid Lempradl (Wr. StipendiatInnen-Klub der ÖAW), Moderator Martin Haidinger, Rupert Gaderer (Wr. StipendiatInnen-Klub der ÖAW), Wolfgang Eppenschwandtner (ÖH - Doktorat).
    foto: derstandard.at/türk

    Am Podium v.l.n.r.: Wolfhard Wegscheider (Österreichische Rektorenkonferenz), Herbert Mang (Präsident Österreichische Akademie der Wissenschaften), Adelheid Lempradl (Wr. StipendiatInnen-Klub der ÖAW), Moderator Martin Haidinger, Rupert Gaderer (Wr. StipendiatInnen-Klub der ÖAW), Wolfgang Eppenschwandtner (ÖH - Doktorat).

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