Sarkozy will hart bleiben

15. November 2005, 08:20
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Polizei schottet Paris ab - Erstmals Unruhen im Zentrum von Lyon - Brennende Autos auch in Belgien, den Niederlanden und Griechenland

Paris/Athen/Brüssel - Die Champs-Elysées boten am Samstagabend einen eher normales Bild: Massen von Ausgehfreudigen flanierten auf den breiten Trottoirs der Pariser Prachtavenue. Polizisten waren nicht zahlreicher als an anderen Abenden.

Doch das war nur der Schein. In den Nebenstraßen standen Dutzende von vergitterten Transportwagen der Spezialeinheit CRS. Von den 11.000 Polizisten, die am Samstagabend in ganz Frankreich im Einsatz waren, patrouillierte ein Großteil im schicken Westteil von Paris. So diskret sie sich verhielten, um das touristische Bild mit ersten Weihnachtslichtern nicht zu stören, so groß war die Spannung auf den Champs-Elysées: In den letzten Tagen hatte die Polizei im Internet zahlreiche Blogs entdeckt, die zum "Rendezvous" auf den Champs-Elysées aufriefen - das heißt zum Sturm auf Paris.

Versammlungsverbot

Die Präfektur der Hauptstadt erließ darauf ein Versammlungsverbot und überwachte die Einfallstraßen und Vorortszüge besonders genau. Für die einzige Aufregung auf den Champs-Elysées sorgte paradoxerweise Innenminister Nicolas Sarkozy, als er die dort stationierten CRS-Einheiten besuchte. Sein Erscheinen führte zu einem regelrechten Volksauflauf, bei dem es Schimpfworte, aber auch Unterstützung für den umstrittenen Minister gab.

Sarkozy demonstrierte dabei erneut Härte und kündigte an, ausländische Gewalttäter nach ihrer Festnahme schon ab heute, Montag, in ihrer Herkunftsland auszuweisen. Zu Krawallen kam es am Wochenende in mehreren französischen Städten. In Lyon kam es schon am Samstagnachmittag zu Straßenschlachten zwischen Vorstadtjugendlichen und der Polizei. Brandstiftungen gab es auch in Toulouse. In der 17. Krawallnacht wurden ein Viertel weniger Autos angezündet als am Freitag.

Unruhen in Athen

Während die Gewalt in Frankreich nachließ, meldeten belgische Behörden in der Nacht auf Sonntag 29 zerstörte Autos, Busse und Lastwagen. Nach einem Gerangel zwischen Jugendbanden und Polizisten wurden am Samstagabend in Brüssel 50 Personen festgenommen. Im niederländischen Rotterdam zündeten Jugendliche vier Wagen an und schleuderten einen Molotowcocktail. In Athen setzten Vermummte 23 Fahrzeuge in Brand. Die Randalierer hätten sich solidarisch mit den französischen Jugendlichen erklärt, sagten Augenzeugen. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2005)

von Stefan Brändle
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