Sohn von Yehudi Menuhin veröffentlichte Texte in echtsextremen Organen

13. November 2005, 12:55
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Als Vorsitzender der Menuhin-Stiftung seines Amts enthoben

Düsseldorf - Die Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland hat ihren Vorstandsvorsitzenden Gerard Menuhin nach einem Interview mit dem NPD-Organ "Deutsche Stimme" seines Amtes enthoben. Der Sohn des jüdischen Stiftungsgründers habe neben dem Interview, das auf der NPD-Website veröffentlicht wurde, auch regelmäßig Kolumnen in der "National-Zeitung" des DVU-Vorsitzenden Gerhard Frey verfasst, teilte die Stiftung am Samstag in Düsseldorf mit. Man distanziere sich "inhaltlich in vollem Umfang von den Äußerungen Gerard Menuhins".

Am 2. November habe man erfahren, dass der Vorstandsvorsitzende auf der Website der NPD im Vorabdruck eines Interviews in der "Deutschen Stimme" zitiert werde, teilten Menuhins Stellvertreter Enrique Baron Crespo und Geschäftsführer Winfried Kneip mit. Eigene Recherchen hätten danach ergeben, dass Menuhin auch regelmäßig in der "National-Zeitung" Texte verfasse. Man missbillige "aufs Schärfste die Nennung unserer Stiftung und ihres Wirkens in einem Medienorgan, das auch laut Innenministerium dem 'einschlägigen rechtsextremistischen Umfeld zuzurechnen' ist", hieß es in der Pressemitteilung.

Menuhin schweigt

Vorstand, Kuratorium und Mitarbeiter der Stiftung seien zutiefst bestürzt, "da im Umgang mit Gerard Menuhin nichts auf seine ideologische Haltung hindeutete". Man habe ihn umgehend aufgefordert, bis spätestens zum 11. November von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender zurückzutreten. Da Menuhin diese Frist ohne Reaktion habe verstreichen lassen, habe ihn der Vorstand am Samstag mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben. Darüber hinaus sei ein Anwaltsbüro beauftragt worden, den Sachverhalt juristisch zu prüfen.

Gerard Menuhin hatte in dem Interview der "Deutschen Stimme" unter anderem gesagt, es gebe eine "internationale Lobby einflussreicher Menschen und Vereinigungen, die im Sinne ihrer Sache die Deutschen unter Druck halten". Die Deutschen sähen sich einer "endlosen Erpressung" ausgesetzt. "Ein Volk, das sich 60 Jahre nach Kriegsende mit den damaligen Geschehnissen einschüchtern lässt, ist nicht gesund", wird Menuhin zitiert.

Yehudi Menuhin wurde als Violin-Virtuose weltweit bekannt. Der 1916 geborene Sohn jüdischer Einwanderer in die USA setzte sich aber auch immer für Bedürftige ein und gründete 1999 die Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland, die sich für die Förderung von Kindern speziell aus sozialen Brennpunkten einsetzt. Yehudi Menuhin starb 1999. Die Stiftung erklärte, seine Visionen, Ideen und Überzeugungen seien "definitiv nicht vereinbar mit der ausgrenzenden und diffamierenden Sprache und ausländerfeindlichen Haltung seines Sohnes Gerard". (APA/AP)

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