Endergebnis der Wahl liegt vor

20. November 2005, 19:53
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Gewinner aller Wahlkreise ermittelt - Zahlreiche Stammesfürsten und Kriegsherren errangen Sitz

Kabul - Nach mehrfacher Verzögerung hat die afghanische Wahlkommission am Samstag das Endergebnis der ersten freien Parlamentswahl in dem Land seit mehr als 30 Jahren vorgelegt. Obwohl fast die Hälfte der Sitze von Stammesfürsten und ehemaligen Kriegsherren errungen wurde und auch einige Taliban ins Parlament einzogen, priesen Beobachter die Wahl als wichtigen Schritt zum Frieden nach Jahren des Krieges und der fundamentalistischen Herrschaft. Die Bekanntgabe der Ergebnisse hatte sich immer wieder verzögert, da es zahlreiche Beschwerden wegen Wahlbetrugs gab. Diese erwiesen sich aber laut Wahlkommission größtenteils als unberechtigt.

Betrugsvorwürfe sorgte für Verzögerung

Ursprünglich sollten die Ergebnisse der Wahl vom 18. September in der letzten Oktoberwoche vorliegen, doch die Überprüfung der Betrugsvorwürfe sorgte für Verzögerungen. Zuletzt musste das Ergebnis in der Provinz Kandahar im Süden des Landes geprüft und revidiert werden. Die Wahlkommission räumte kleinere Probleme ein. Rund 5400 Beschwerden gingen bei der Behörde ein. Die meisten seien aber nicht begründet gewesen und hätten lediglich den Mangel an Erfahrung der Afghanen mit Wahlen ausgedrückt.

Bei der Wahl waren politische Parteien nicht zugelassen, so dass ein reiner Personenwahlkampf geführt wurde. Nur etwas mehr als 50 Prozent der 12,4 Wahlberechtigten gab die Stimme ab. Beobachter führten das auf die seitenlangen und unübersichtlichen Wahlzettel sowie auf die massive Präsenz der alten Stammesfürsten im Wahlkampf zurück. Aufgrund einer Quotenregelung besetzten Frauen ein Viertel der 249 Sitze in der Wolesi Jirga ("Haus des Volkes").

Konstituierende Sitzung Ende Dezember

Ihnen waren unter der Herrschaft der Taliban politische Rechte verweigert worden. Die konstituierende Sitzung des Unterhauses wird für Ende Dezember erwartet. Zunächst muss das Oberhaus gewählt werden. Deren 102 Abgeordnete werden von den Provinzparlamenten und dem Präsidenten bestimmt.

In die Wolesi Jirga ziehen auch einige prominente Warlords ein. Zu ihnen gehört Mohammad Mohakek, dem Vergehen während des Bürgerkriegs (1992-1994) vorgeworfen werden. Damals kamen allein in der Hauptstadt Kabul 50.000 Menschen ums Leben. Mohakek sicherte sich die meisten Stimmen in der Provinz Kabul. Dort kam Junis Kanuni, treuer Verbündeter des ermordeten Rebellenführers Ahmed Shah Massud und der schärfste Rivale von Präsident Hamid Karzai bei der Präsidentenwahl im vergangenen Jahr, auf Platz zwei.

"Historischen Moment"

Präsidentensprecher Karim Rahimi sprach von einem "historischen Moment für die Afghanen". "Wir erwarten, dass das afghanische Volk dies als große Chance für Demokratie, Frieden und Stabilität akzeptiert." Die ersten Parlamentswahlen seit 1969 bildeten den Abschluss des international begleiteten Übergangs zur Demokratie nach dem Ende des Taliban-Regimes. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Afghanen einen Präsidenten gewählt. Zeitgleich zum Unterhaus wählten sie ihre Provinzparlamente. Im Wahlkampf wurden sieben der insgesamt 5800 Kandidaten Opfer von Attentaten, ein Politiker wurde nach dem Urnengang getötet.

Am Wochenende setzten die Taliban ihre Angriffe fort. Kämpfer töteten am Samstagabend drei Polizisten in der Region Kandahar, wie ein Sprecher der Provinz am Sonntag mitteilte. Die Taliban wollen das neue System in dem Land nach eigenen Angaben stürzen. Hauptgegner sind Polizisten, ausländische Soldaten, Regierungsvertreter und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. (APA/Reuters)

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    Nach acht Wochen steht das Ergebnis der Wahlen in Afganistan fest.

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