"Die Manager müssen sich aufs IT-Spielfeld begeben"

20. November 2005, 15:13
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Entscheidungen über IT werden allzu oft den Spezialisten überlassen und von neuer Technologie bestimmt, sagt Harvard-Professor Andrew McAfee

Weltweit stehen in Unternehmen teure IT-Investitionen herum, die sich als nutzlos erwiesen oder nicht hinreichend genutzt werden, sagt Andrew McAfee, an der Harvard Business School Associate Professor für Technology Management. "Ende der 90er-Jahre wurde wie verrückt eingekauft", erzählt er im Gespräch mit dem STANDARD, als die Dotcom-Welt noch heil und Geld kein Problem war.

Die Krux

Manches davon hat sich zwar quasi von selbst erledigt - aber noch immer gibt es zu viel IT, die zu wenig genutzt wird. Die Krux: Technologie-Entscheidungen werden von IT-Spezialisten getroffen, "die Manager fühlen sich marginalisiert und sitzen auf der Ersatzbank. Aber wenn IT richtig genutzt werden soll, dann müssen die Manager aufs Spielfeld", sagt McAfee, als Gast der Unternehmensberater Czipin produktiv in Wien.

Manager müssen entscheiden

Natürlich gebe es IT-Bereiche, "bei denen man den Job am besten den Technikern überlässt", wie E-Mail-Systeme oder technische Infrastruktur. "Aber wo die Technologie einem Unternehmen Änderungen aufdrückt, wie bei ERP (Unternehmenssoftware), gehören die Entscheidungen in die Hände der Manager."

Zwei Zugänge gebe es bei der Auswahl: "Von außen nach innen" - alles evaluieren, was es am Markt gibt - oder "von innen nach außen" - definieren, was das Unternehmen braucht und "erst danach die technische Landschaft anschauen". Dominant sei "von außen nach innen", Entscheidungen, die sich von den unendlichen Möglichkeiten neuester Technologie treiben lassen, "das ist Furcht erregend". Natürlich brauche man Leute im Unternehmen, die "tech-freundlich" sind, "man muss wissen, was es da draußen gibt". "Aber der Chief Information Officer von Zara, der Modekette, einer der brillantesten Technologieanwender, verbringt die meiste Zeit damit, neue Technologie aus der Organisation herauszuhalten", sagt McAfee,

Vom richtigen Zeitpunkt

Wann ist der richtige Zeitpunkt, in neue IT zu investieren? "Früher ist leichter als später", allerdings: früh in der Entwicklung eines Unternehmens, nicht der jeweiligen Technologie, warnt McAfee. "Die brauchen nicht unbedingt den letzten Heuler, sondern Technologie, die den Test der Zeit bestanden hat" - dafür sollte man frühzeitig die Grundlagen schaffen, um gut wachsen zu können.

Der User "Mitarbeiter"

Mitarbeiter als "User" müssten hingegen eine "split personality" haben, also quasi schizophren sein: Einerseits grenzen IT-Lösungen ihre Autonomie ein, man muss die Dinge so machen, wie sie vom System vorgegeben werden, für das sich Manager entschieden haben. "Das hat auch sein Gutes." Andererseits würden neue Entwicklungen - wie "Wikis", Software für kollaboratives Schreiben, das zum Beispiel für das Wissensmanagement in Organisationen eingesetzt werden kann - auch neue Entfaltungsmöglichkeiten geben.(Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe vom 12./13.11.2005)

  • Andrew McAfee, Professor Harvard Business School
    foto: standard/publico

    Andrew McAfee, Professor Harvard Business School

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