Hariri-Mord: Lahoud auf eigenen Wunsch befragt

24. November 2005, 14:27
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Medien: Libanesischer Präsident sprach sechs Stunden mit UNO-Ermittlern

Beirut - Der wegen des Mordanschlags auf Ex-Premier Rafik Hariri unter Druck geratene libanesische Staatspräsident Emile Lahoud ist auf eigenen Wunsch mit den vom UNO-Sicherheitsrat eingesetzten Ermittlern zusammengetroffen, wie das Präsidialamt in Beirut am Samstag verlautbarte. Der Präsident sei bei der Unterredung am Freitagnachmittag "nicht als Zeuge vernommen" worden. Er habe offene Fragen klären und zur Beschleunigung der Ermittlungen beitragen wollen. Nach libanesischen Medienberichten dauerte das Gespräch sechs Stunden.

Befragung durch UNO-Ermittlerteam

Im Mittelpunkt der Befragung durch zwei Mitglieder des UNO-Ermittlerteams stand der Handy-Anruf eines Verdächtigen bei Lahoud wenige Minuten vor dem Anschlag auf Hariri im Februar. Dieses Gespräch war in dem Bericht der UNO-Untersuchungskommission unter Leitung des deutschen Oberstaatsanwalts Detlev Mehlis erwähnt worden und hatte den Verdacht geschürt, Lahoud sei möglicherweise in die Anschlagsvorbereitungen eingeweiht gewesen.

Mahmud Abdul Al, der den Präsidenten angerufen haben soll, und sein inzwischen ebenfalls inhaftierter Bruder Ahmed gehören der islamischen Wohltätigkeitsorganisation Al-Ahbache an, die Verbindungen nach Syrien hat. Ein dritter Bruder arbeitet für die Präsidentengarde, deren Kommandant General Mustafa Hamdane in Untersuchungshaft sitzt.

Keine Angaben zum Inhalt des Gesprächs

Wie Präsidentensprecher Rafik Chalala am Samstag betonte, habe Lahoud die UNO-Ermittler "über die wahren und präzisen Umstände von Telefonanrufen, die vor dem abscheulichen Verbrechen bei der Präsidentschaft eingingen, informiert". Zum Inhalt des Gesprächs machte das Präsidialamt keine Angaben.

Ministerpräsident Fouad Siniora hatte dem pro-syrischen Staatspräsidenten geraten, "im Interesse des Landes und in seinem eigenen Interesse" von seinem Amt zurückzutreten. Von kirchlicher Seite hat Lahoud Rückenstärkung erhalten. Der Präsident habe sich keines Vaterlandsverrats schuldig gemacht, erklärte der maronitische Patriarch, Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir. Die maronitische Bischofssynode hatte dazu aufgerufen, die Polemik um das höchste Staatsamt zu beenden. Die mit Rom unierten Maroniten sind die stärkste christliche Bevölkerungsgruppe im Libanon und stellen traditionell den Staatspräsidenten, während der Premier stets sunnitischer und der Parlamentsvorsitzende schiitischer Moslem ist. Die libanesische Verfassung lässt eine Amtsenthebung des Präsidenten nur bei Landesverrat zu. (APA/AP)

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