Versammlungsverbot in Paris in Kraft

13. November 2005, 11:20
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16. Nacht: 502 Autos in Brand - 206 Festnahmen - 3.000 Polizisten vor Länderspiel Deutschland-Frankreich im Einsatz

Paris - Nach neuerlichen nächtlichen Unruhen in zahlreichen französischen Städten hat sich die Polizei am Samstag gegen befürchtete Ausschreitungen im Zentrum von Paris gewappnet. 3.000 Polizisten schwärmten aus, um die U-Bahn und berühmte Sehenswürdigkeiten wie den Eiffelturm zu schützen. Nach Angaben der Polizei kursierten im Internet seit Tagen Aufrufe zu gewaltsamen Aktionen in Paris. Schon am Vormittag trat ein Versammlungsverbot in Kraft, das bis Sonntag früh um 8.00 Uhr gelten sollte.

"Es geht hier nicht darum, dass die Leute davon abgehalten werden sollen, durch Paris zu laufen", sagte der Pariser Polizeipräfekt Pierre Mutz. "Es geht darum, dass ordentliche Bürger ihren Geschäften nachgehen können", begründete er die hohe Polizeipräsenz auf den Straßen.

Gewaltsame Aktionen in Pariser Innenstadt befürchtet

Bisher war die Pariser Innenstadt von den gewaltsamen Unruhen, die seit mehr als zwei Wochen die Außenbezirke sowie die sozialen Brennpunkte weiterer Großstädte erschüttern, weitgehend verschont geblieben. Der französische Polizeichef Michel Gaudin erklärte am Samstag jedoch, nach den Aufrufen im Internet befürchte er gewaltsame Aktionen an Orten wie dem Eiffelturm oder den Champs-Elysee. Wegen des Länderspiels der Nationalmannschaften von Deutschland und Frankreich hielten sich auch zahlreiche deutsche Fußballfans in Paris auf.

Die landesweiten Unruhen hatten sich in der Nacht auf Samstag wieder leicht verstärkt. 502 Autos seien in Flammen aufgegangen, rund 40 mehr als in der Nacht auf Freitag, teilte Gaudin mit. Insgesamt seien 163 Gemeinden betroffen gewesen, nach 160 in der Nacht zuvor. 206 mutmaßliche Randalierer wurden festgenommen, darunter ein junger Mann, der bereits am Montagabend in Polizeigewahrsam genommen und dort offenbar geschlagen worden war. Das Innenministerium hat wegen des Vorfalls in La Courneuve acht Polizisten vom Dienst suspendiert.

Mehrheit der Franzosen unterstützt harte Vorgehensweise

Während die Mehrheit der Franzosen einer Umfrage von Anfang November zufolge im Allgemeinen das harte Vorgehen von Innenminister Nicolas Sarkozy unterstützt, wurden am Samstag Zweifel bezüglich des Versammlungsverbots für die französische Hauptstadt laut. "Bedeutet die Entscheidung, dass Vorsichtsmaßnahmen angewendet werden, oder ist es schlicht und einfach eine nutzlose und üble Dramatisierung?", fragte etwa die Zeitung "Liberations". (APA/AP/Reuters)

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    Demonstration forderten am Freitag in Paris die Regierung auf, sich langfristige Lösungen für die Probleme der sozial benachteiligten Vororte zu überlegen.

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