UNO erlaubt Blauhelmen Festnahme von Liberias Ex-Präsidenten

7. Dezember 2005, 10:06
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Charles Taylor in 17 Anklagepunkten schuldig - Anhänger von Ex-Fussballstar Weah protestieren gegen angeblichen Wahlbetrug

New York/Monrovia - Der UNO-Sicherheitsrat hat die im westafrikanischen Liberia stationierten Blauhelmsoldaten zur Festnahme des im nigerianischen Exil lebenden Ex-Staatsprädidenten Charles Taylor ermächtigt. Das Gremium nahm eine entsprechende Resolution am Freitag einstimmig an. Taylor ist vor dem UNO-Tribunal in Sierra Leone in 17 Anklagepunkten wegen Verbrechen während des 14-jährigen Bürgerkriegs in Liberia angeklagt. Obwohl gegen ihn ein internationaler Haftbefehl vorliegt, gewährt Nigeria ihm seit 2003 Asyl.

"Freier und fairer" Urnengang

In einer Erklärung würdigte der Sicherheitsrat zudem den "friedlichen und ornungsgemäßen Verlauf der Präsidentschaftswahl in Liberia. Der "freie und faire" Urnengang sei ein "großer Schritt nach vorn" zur Normalisierung der staatlichen Ordnung, hieß es. Amtlichen Angaben vom Freitag zufolge ging die frühere Weltbank-Managerin Ellen Johnson Sirleaf mit 59,4 Prozent als Siegerin aus der Stichwahl vom Dienstag hervor. Der frühere Fußballstar George Weah konnte demnach nur 40,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen.

Klage wegen Betrugs

Weahs Partei Kongress für den demokratischen Wandel (CDC) versuchte über eine schriftliche Eingabe, die Auszählung der Stimmzettel vom Obersten Gericht des Landes stoppen zu lassen. Schon vorher hatte sein Wahlkampfteam Klage wegen Betrugs eingereicht. Der UNO-Sicherheitsrat erklärte dazu, mögliche Differenzen sollten ausschließlich auf friedliche und legale Weise ausgetragen werden. Die Beobachtergruppe der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS rief das bei der Wahl unterlegene Lager auf, die Niederlage anzunehmen.

Gegen Demonstranten

UNO-Polizisten sind am Freitag in Liberia gegen Steine werfende Anhänger des bei der Präsidentenwahl unterlegenen Kandidaten George Weah vorgegangen. Sie setzten Tränengas und Schlagstöcke ein, nachdem mehrere hundert Menschen eine Polizeikette vor der US-Botschaft in der liberianischen Hauptstadt Monrovia durchbrochen hatten.

Die Unterstützer des ehemaligen Fußballstars protestierten gegen angeblichen Wahlbetrug. Augenzeugen zufolge blutete eine 20-jährige Frau nach einem Schlag mit einem Polizeiknüppel am Kopf. Dies löste wütende Reaktionen der Demonstranten aus, die die UN beschimpften. Weah forderte in der Zentrale seiner Partei die Demonstranten auf, Ruhe zu bewahren.

"Kein Weah, kein Frieden"

Hunderte wütender Anhänger des ehemaligen Stürmers des AC Mailand marschierten von der Parteizentrale in die Stadtmitte Monrovias. Sie riefen "Kein Weah, kein Frieden" und "Kein Weah, kein Präsident". Dabei warfen Demonstranten mit Steinen nach Polizisten vor dem Gebäude der Wahlkommission.

Nach der offensichtlich deutlichen Niederlage Weahs forderte seine Partei vom Obersten Gericht Liberias, die Stimmenauszählung zu stoppen. Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der abgegebenen Stimmen liegt die in Harvard ausgebildete ehemalige Finanzministerin Liberias, Ellen Johnson-Sirleaf, uneinholbar in Führung. Weah und seine Partei CDC sprachen von Wahlbetrug. Internationale Wahlbeobachter bestätigten dagegen, dass die Wahl generell friedlich, fair und transparent verlaufen sei.

Die erste Präsidentenwahl Liberias seit dem 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg in dem westafrikanisch Landes sollte einen Schlussstrich unter die jahrelange Gewalt in dem 1847 von befreiten Sklaven aus den USA gegründeten Staat ziehen. (APA/Reuters)

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