"Geschichte ist heißer denn je"

18. November 2005, 15:49
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Neues Boltzmann-Institut vorgestellt

Wien - Es gehe um eine neue Geschichtsschreibung, darum, nationale Barrieren abzubauen sowie gemeinsame Methoden und Fragestellungen zu definieren, erklärte der Wiener Historiker Oliver Rathkolb. Nur dann könne das Freitag in Wien vorgestellte "Ludwig Boltzmann Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit, Kultur-, Demokratie und Medienstudien" über eine konstruierte Gesamtgeschichte hinauskommen und europäische Gemeinsamkeiten erforschen.

Rathkolb wird das Institut leiten, das seine Zentrale mit zehn ständigen wissenschaftlichen Mitarbeitern in Wien haben wird. Außenstellen gibt es an den Universitäten Florenz, Gießen, Zürich und Basel. Die Forschungsschwerpunkte sind: European History Highways, Politische Ikonografie, Europäische Öffentlichkeit und Identität sowie Europäische Kultur.

Die Forscher wollten sich, so Rathkolb, neben der akademischen auch auf eine populärere Ebene begeben. Denn "Geschichte ist heißer denn je", das könne man derzeit in Frankreich (Stichwort Postkolonialismus) beobachten.

Europastaatssekretär Hans Winkler begrüßte das explizit. Als früherer Leiter des Völkerrechtsbüros im Außenamt habe er etwa bei der Zwangsarbeiterentschädigung fest gestellt, dass nationale Sichtweisen eine europäische Kultur der Bewältigung solcher Fragen nur schwer zuließen. Das zeige sich auch am Balkan, einem Schwerpunkt der österreichischen EU-Präsidentschaft, wo nun immerhin die EU-Beitrittsperspektive die Differenzen aus der Vergangenheit überdecke. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13. 11. 2005)

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