"Spiegel TV Extra": Neue Gastarbeiter

23. Dezember 2005, 12:36
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Der Deutsche, er wurde nun zu dem, was er selbst fürchtet, zu einem "Nix-verstehen-Hackler" in den Niederlanden

Das "Spiegel TV Extra" vom Donnerstag auf Vox zum Thema "Fremde Heimat – Deutsche im Ausland" legte in der Dramatisierung der deutschen Wirtschaftskrise wieder eins drauf. Der Deutsche, er wurde nun zu dem, was er selbst fürchtet, zu einem, der Arbeitsplätze im Ausland stiehlt, zum "Nix-verstehen-Hackler" in den Niederlanden, er wurde zum Gastarbeiter.

150.000 Deutsche arbeiteten 2004 im Ausland. "Spiegel TV" zeigt ausgewanderte Maurer in Spanien, einen einsamen KFZ-Mechaniker in Norwegen und das deutsche Gastgewerbepersonal in Österreich, das "wellenartig über die Alpen schwappt". Und die "Ösis" sind also doch gute Freunde, zahlen sie doch 100 Euro mehr, als man in der Heimat bekommt, bieten angesehene Ausbildung und haben einen Jobmotor, "der noch brummt". Dafür bringe man aber auch aus Deutschland "was Flottes" mit, das dem heimischen Arbeitnehmer schon verloren ging. Einziges Problem: Manche wollen nicht von Deutschen bedient werden.

Egal. Wenn zu Hause alles den Bach runtergeht, muss man weg. Da hilft kein Heimweh, keine traurige Mutter. Im Ausland könne man dafür zu Hause sinnlos gewordene "deutsche Tugenden" noch an den Mann bringen: Ordnung, Sauberkeit, anpacken, nicht meckern.

Die Krise als personalisierendes und emotionalisierendes Sensationsfernsehen, Balsam auf der Haut des von Existenzangst geplagten kleinen Mannes. Eine Art von Selbstmitleidshetze und neuer Devotion. (pum/DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2005)

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