Ex-Gendarm wegen Raubes verurteilt

13. November 2005, 19:14
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Gazer überfiel Wettcafe: "Fräulein, es tut mir Leid, ich brauch' das Geld."

Graz - Zu vier Jahren Haft ist am Freitag ein ehemaliger Exekutivbeamter am Grazer Straflandesgericht verurteilt worden. Dem 47-Jährigen wurden gleich mehrere Delikte vorgeworfen: Neben einem Raubüberfall auf ein Wettcafe in Graz auch Veruntreuung und gewerbsmäßig schwerer Betrug. Der Angeklagte, der sich zu allen Punkten geständig zeigte, nahm das Urteil an. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte Dagobert S., der drei gescheiterte Ehen hinter sich hat und für zwei Kinder unterhaltspflichtig ist, war Ende Februar diesen Jahres vom Dienst suspendiert worden. Der Grund: Er hatte die Sportvereins- und Posten-Kassa, die ihm anvertraut war, um rund 5.000 Euro erleichtert. Bereits im November des Vorjahres, nachdem seine letzte Freundin ihn wegen seines aggressiven Verhaltens verlassen hatte.

"Fräulein, es tut mir Leid, ..." Nachdem seine Beziehung in die Brüche gegangen war und er auch seinen Dienst nicht mehr versehen konnte, kam er aus Geldnot im Juni auf die Idee, ein Wettcafe zu überfallen. Ein spontaner Entschluss, wie der 47-Jährige vor Gericht erzählte: "Ich hatte das nicht geplant. Es hat sich einfach so ergeben", so der Ex-Gendarm. Er nahm seinen "Leatherman"und bedroht die bankangestellte. Gleichzeitig entschuldigte er sich : "Fräulein, es tut mir Leid, ich brauch' das Geld." Was er nicht wusste war, dass er dabei von einer Videokamera aufgezeichnet wurde.

Mit der Beute kleidete er sich neu ein und fuhr mit einem Mietauto nach Lignano. Auf die Frage des Richters, warum gerade Italien, meinte der Angeklagte: "Ich wollte Erinnerungen wecken". Es sei ein "emotionaler Entschluss" gewesen. Festgenommen wurde der Angeklagte wenige Tage nach dem Überfall in einem Hotel in Graz-Eggenberg, wo er unter falschem Namen abgestiegen war. Er hatte sich als Kripo-Beamter aus Linz ausgegeben und vorgetäuscht, zum Ermittlerteam im Fall der vier getöteten Neugeborenen zu gehören. Wie sich herausstellte, hatte er sich zwischen November des Vorjahres bis zu seiner Verhaftung schon acht Mal, teils unter falschem Namen und ohne zu zahlen, in Herbergen einquartiert. Der Schaden betrug rund 5.400 Euro. (APA)

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