Richter fordert Entfernung aller Kruzifixe aus dem Justizpalast

14. November 2005, 11:25
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Luigi Tosti muss isch vor Gericht verantworten

Rom - Ein italienischer Richter muss sich am kommenden Freitag wegen eines eklatanten Protests vor Gericht verantworten. Seit dem 9. Mai streikt Luigi Tosti in der mittelitalienischen Stadt Camerino in der Adria-Region Marche, weil seine Forderung einer Entfernung aller Kruzifixe aus dem Justizpalast, in dem er arbeitet, abgelehnt wurde.

Der Richter führt seit Monaten einen Feldzug gegen die "religiöse Diskriminierung" in den italienischen Justizpalästen, in denen meist das Kreuz, aber sonst kein Symbol anderer Religionen zu sehen ist.

Der Richter hatte im Oktober Italiens Justizminister, Roberto Castelli, geschrieben und ihn aufgefordert, ihm die Zahlung seines Richtergehalts auszusetzen. Er hatte auch einen Brief an Staatschef Carlo Azeglio Ciampi gegen die die "religiöse Diskriminierung" in den öffentlichen Ämtern des katholischen Italien geschrieben.

Im vergangenen Jahr hatte der Richter für einen Eklat mit der Forderung gesorgt, in den Gerichtssälen neben dem christlichen Kruzifix auch die Menorah, den siebenarmigen Leuchter jüdischer Tradition, aufzuhängen.

Streitigkeiten um religiöse Symbole in öffentlichen Gebäuden sind in Italien keine Neuigkeit. Im November 2003 war ein heftiger Konflikt um den Beschluss eines Richters ausgebrochen, der die Entfernung des Kruzifixes aus den Schulzimmern einer kleinen Ortschaft in der Region Abruzzen angeordnet hatte. Den Antrag auf Entfernung des Kreuzes hatte der Präsident der Moslemischen Union Italiens, Adel Smith, eingereicht, dessen Kinder eine Volksschule im Abruzzen-Dorf Ofena besuchen.

Dieser Beschluss hatte hitzige Reaktionen in Italiens politischen und katholischen Kreisen ausgelöst. Nachdem Einspruch gegen den Beschluss eingereicht worden war, konnte das Kreuz wieder aufgehängt werden. (APA)

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