"Gedächtniseffekt" bei Erdbeben

23. November 2005, 14:09
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Forscher: Nach langer Inaktivität steigt Wahrscheinlichkeit, dass weiteres Beben noch länger auf sich warten lässt

Gießen - In der Erdbebenforschung kann ein deutscher Physiker mit einer interessanten Erkenntnis aufwarten. Armin Bunde, Professor für Theoretische Physik an der Universität Gießen, kommt in einer in den Physical Review Letters veröffentlichten Arbeit zum Schluss, dass Erdbeben eine gewisse Periodizität aufweisen. Abgesehen vom bekannten Phänomen der Nachbeben sahen Geophysiker bisher keinen zeitlichen Zusammenhang zwischen Erdbeben, die über längere Zeiträume in einer bestimmten Region stattfanden.

"Wenn in einer Erdbebenregion ein Beben lange auf sich warten lässt, neigt man intuitiv dazu anzunehmen, dass es allmählich überfällig wird, also die Wahrscheinlichkeit für ein Auftreten wächst", meint Bunde. Diese Annahme sei aber angesichts der ausgewerteten Erdbebendaten aus verschiedenen Gebieten wie der Kamtschatka-Halbinsel, Neuseeland oder Südkalifornien falsch, so Bunde weiter. Vielmehr steige nach langer Inaktivität die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiteres Beben erst wieder nach überdurchschnittlich langer Zeit eintreffe. Dasselbe gelte aber auch umgekehrt: Falle der zeitliche Abstand zwischen zwei Beben gleicher Stärke besonders kurz aus, dann müsse auch damit gerechnet werden, dass das nächste Beben in relativ kurzem Abstand zu erwarten sei.

Gedächtniseffekt

Das von Geophysikern als "Gedächtniseffekt" bezeichnete Phänomen war bisher nur in der Meteorologie bzw. in der Klimaforschung bekannt, wo es zur Wahrscheinlichkeitsvorhersage von Wetterkatastrophen herangezogen wird. Eine Erklärung für diesen bei Naturgewalten auftretenden Gedächtniseffekt sind die Wissenschaftler bisher allerdings schuldig geblieben.

Bunde glaubt, dass die gewonnene Erkenntnis über die zeitliche Korrelation von Erdbebenereignissen Forscher und Behörden einen wichtigen Hinweis darauf geben kann, wie oft mit dem Auftreten von Erbeben in einer bestimmten Stärke und Region zu rechnen ist. Dies sei beispielsweise auch für Versicherungsunternehmen interessant, die Gebäude in Erdbebengebieten versichern, so der Wissenschaftler abschließend. (pte)

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    Aufzeichnung der Ausschläge eines leichten Erdbebens ... bei Erdbeben wurde nun der Gedächtniseffekt festgestellt.

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