Hintergrund: Massud Barzani - Pragmatischer Kurden-Führer

16. November 2005, 14:36
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Seit Juni Präsident der Kurden-Provinzen - Einstiger Rivale Talabanis

Wien - Als Präsident der kurdischen Provinzen im Irak ist Massud Barzani neben dem irakischen Staatspräsidenten Jalal Talabani der zweite bedeutende Kurden-Führer im Irak. Der 1945 geborene Politiker wurde Mitte Juni vom kurdischen Parlament mit Sitz im nordirakischen Erbil (Arbil) gewählt. Der jüngste und einzige überlebende Sohn des legendären Anführers des Kurdenaufstandes gegen Bagdad, Mulla Mustafa Barzani, gilt als gewiefter Taktiker mit einem ausgeprägten Sinn für Pragmatismus.

Der 1946 von seinem Vater gegründeten Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) steht Barzani seit über 26 Jahren unangefochten vor. Lange war er ein erbitterter Rivale Talabanis und dessen Patrotischer Union Kurdistans (PUK), bis die Konkurrenten ihre Differenzen zu Gunsten des kurdischen Widerstandes zurückstellten. Vor über zwei Jahren kämpften sie gemeinsam mit US-Soldaten gegen die Truppen Saddam Husseins. Bei den kommenden irakischen Parlamentswahlen im Dezember werden die beiden Parteien aber, anders als im Jänner, wieder gegeneinander streiten.

Bei den Verhandlungen für die irakische Verfassung kämpfte Barzani dafür, die Autonomie der Kurden im Norden festzuschreiben. In einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" sagte er einmal, ein völlig freies Kurdistan sei zwar sein "innigster Wunsch", doch dies sei zur Zeit kein realistisches Ziel. Ähnlich äußerte er sich nun auch nach dem Besuch bei Bundespräsident Heinz Fischer am Freitag in Wien: "Sicher" sei es das Recht der Kurden, unabhängig zu werden. "Aber es gibt Unterschiede zwischen dem, was man sich wünscht, und dem, was Realität ist." (APA)

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