Igel: "Allesfresser" und Einzelgänger

18. November 2005, 16:16
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Die Art des Monats November wittert Regenwürmer noch in drei Zentimeter Bodentiefe

Im Spätherbst sind Igel oft noch auf Nahrungssuche anzutreffen. Vor allem in Siedlungsnähe leben die Tiere heutzutage gern, denn dort finden sie bessere Lebensbedingungen als in den Monokulturen der freien Landschaft vor. Darauf hat der Naturschutzbund Österreich hingewiesen und die Igel zur Art des Monats November gekürt.

Beutefang

Der Igel ist ein Einzelgänger. Er liebt die Dunkelheit und macht sich nachts auf Beutefang. Auf der Suche nach Käfern, Schnecken, Regenwürmern und Fallobst bewältigt der stachelige Geselle problemlos bis zu zwei Kilometer lange Märsche. Der "Allesfresser" hört und riecht sehr gut. Kein im Gras vorbeilaufender Käfer bleibt ungehört, Regenwürmer wittert er noch in drei Zentimeter Bodentiefe.

Auf seinen Pirschgängen sieht man den Igel zwar selten, aber oft kann man ihn hören, wenn er schnaufend, schmatzend und knuspernd durch unsere nächtlichen Gärten walzt. Schneckenschleim scheint seinen Speichelfluss besonders anzuregen, durchaus aber auch andere Objekte, die neu und interessant riechen oder schmecken. Es ist eine Eigenheit des Igels, dann förmlich aus dem Maul zu schäumen und diesen Schaum auf seinen Körper zu verteilen.

Unterschlupf

Straßenverkehr, Schädlingsbekämpfungsmittel und strukturarme Gärten setzen dem Igel ziemlich zu. Trotzdem hat er sich vergleichsweise gut auf die Zersiedelung der Landschaft eingestellt, vorausgesetzt Gärten und Parks sind nicht allzu penibel aufgeräumt. Diese müssen Unterschlupfmöglichkeiten wie Reisigstapel oder Komposthaufen und ein reiches Nahrungsangebot bieten, beides braucht der Igel bevor er sich in Winterruhe begibt.

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Der zunehmende Wohlstand in den 1960ern brachte einen Gartentyp hervor, den man am besten als "Schaugarten" bezeichnen könnte. Glattrasierte Rasenflächen, fremdländische Koniferen und "Bodendecker" vertrieben Tiere und Pflanzen aus unserer unmittelbaren Hausnähe. Erst die "Naturgartenbewegung" der letzten Jahre leitete ein Umdenken auf breiter Basis ein. Sie bemühte sich darum, wieder mehr natürliche Elemente in die Gärten zu bringen – vor allem durch die Ansiedelung heimischer Wildpflanzen.

Die so entstandenen Naturgärten bieten Tieren wieder genügend Nahrung, zahlreiche Nistgelegenheiten und wichtige Versteckmöglichkeiten. So ist erfreulicherweise in vielen Hausgärten wieder reges Leben eingekehrt: Eidechsen sonnen sich auf Trockenmauern, Libellen verweilen an Gartenteichen, Siebenschläfer suchen im Geäst von Obstbäumen Nahrung und im Weißdorngebüsch zetern Blaumeisen. Es braucht nur ein bisschen Mut, sich von überzogenen Ordnungsvorstellungen zu lösen. Der Garten ist kein Wohnzimmer, das bis in den letzten Winkel kontrolliert und aufgeräumt sein muss. Die Natur hat ihre eigene Ordnung, und diese zu durchschauen und zu respektieren, ist das eigentliche Geheimnis der naturnahen Gartengestaltung.

Ist Igel-Hilfe notwendig?

Was tun mit Jungigeln, die man noch im Spätherbst nach Nahrung suchend antrifft? Soll man sie aufnehmen, im Keller überwintern lassen, um sie dann im Mai auszusetzen? "Nur im Notfall", raten ExpertInnen. Die wurmfrei gemachten "Heim-Igel" kämpfen mit Schmarotzern und Parasiten weit schwerer als "Freiland-Igel", die außerdem im Mai oft schon die optimalen Lebensräume besetzt haben. Daher ist es am besten, wenn man den Igel füttert (aber keine Milch!), ihm eine Unterschlupfmöglichkeit im Freien schafft aber ansonsten weitgehend in Ruhe lässt. (red)

  • Artikelbild
    foto: naturschutzbund/franz horvath
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