Martini-Gansl so beliebt wie nie zuvor

11. November 2005, 15:23
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Am 11. November endet das bäuerliche Arbeitsjahr und in Salzburg übernehmen die Kasmandeln die verlassenen Berghütten

Eisenstadt - Das Ganslessen ist den Burgenländern trotz Vogelgrippe zum Martini-Fest nicht verleidet worden. Dass für die Konsumenten kein Grund zur Verunsicherung bestehe, stellte einmal mehr der burgenländische Agrarlandesrat Nikolaus Berlakovich fest.

In Österreich werden laut Berlakovich jährlich 500.000 Gänse verzehrt, von denen allerdings nur 10 Prozent im Inland produziert werden. Die 16 am Projekt "Burgenländische Weidegans" teilnehmenden Betriebe konnten die Produktion seit 2002 auf rund 3.400 Tiere beinahe vervierfachen.

Schonende Mast braucht Zeit

Bei der Weideganshaltung handelt es sich um eine artgerechte Haltungsform. Werden konventionell gemästete Gänse bereits nach rund zwölf Wochen geschlachtet, erreichen Weidegänse das Schlachtgewicht von etwa 4,2 Kilogramm erst nach 26 Wochen - rechtzeitig zu Martini. Durch diese schonende Mästung zeichnen sich Weidegänse durch einen geringen Fettanteil und feinfaseriges Fleisch mit verbessertem Safthaltevermögen aus.

Qualität die mehr Zeit in Anspruch nimmt kostet auch etwas mehr: Eine ungarische Mastgans kostet etwa drei Euro pro Kilo. Die burgenländische Weidegans immerhin je Kilogramm 7,50 Euro. Die Gastronomie und der Endverbraucher greifen dennoch immer häufiger zu heimischen Gänsen, als zu tiefgefrorenem Fleisch aus dem Handel. Die Weideganshalter seien bekannt und ein Garant für die Qualität, denn das Fleisch sei bis zum Betrieb zurückzuverfolgen.

Bäuerliche Arbeitsjahr endete am 11. November

Die Martinigans hat eine jahrhundertelange Tradition. Im Jahre 1171 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Zu Martini - dem Festtag des Heiligen Martin von Tours am 11. November - endete früher das bäuerliche Arbeitsjahr. Die Knechte erhielten ihren Lohn und bekamen als Draufgabe eine Gans. Vor der kargen Winterzeit musste die Geflügelschar stark dezimiert werden.

Der Brauch knüpft an die heidnischen Schlachtfeste der Erntezeit an und wurde vom Christentum übernommen. Neben der bekannten Martinigans gehören Martinsfeuer, Martinsgestampfe gegen böse Geister und der Martinstrunk vom neuen Wein zum Brauchtum um den 11.November.

In Salzburg übernehmen Kasmandeln Berghütten

Im Salzburger Lungau hält sich noch ein anderer Brauch: Das "Kasmandelfahren". Nach altem Glauben sollen zu Martini die Kasmandel - kleine Bergmänner - von den verlassenen Almen Besitz ergreifen und in den Hütten überwintern. Am Vorabend des Martinstags ziehen Buben mit langen Stöcken und Kuhglocken lärmend von Haus zu Haus. Mit kleinen Gaben wollen die Bewohner die Dämonen gnädig stimmen.(APA)

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