Berlusconi für neue Atomkraftwerke

21. November 2005, 14:31
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"Europa soll neue Atomkraftwerke bauen, wir sind zu stark von Erdöl produzierenden Ländern abhängig", so Italiens Regierungschef

Rom - Die Gruppe der Atomkraftbefürworter in Europa kann künftig mit einem prominenten Anhänger rechnen: Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi sprach sich am Donnerstag in Rom für den Bau neuer Atomkraftwerke in Europa aus. "Europa ist zu stark von den Erdöl produzierenden Ländern abhängig. Wir zahlen einen zu hohen Preis für die hohen Treibstoffkosten. Auch bei dem letzten EU-Regierungschefgipfel haben wird darüber diskutiert: Wir müssen die Thematik der Atomkraftwerke überdenken", sagte Berlusconi nach Angaben italienischer Medien am Donnerstag.

"Europa muss für den Bau neuer Atomkraftwerke Grünes Licht geben. Die einzelnen europäischen Länder haben nicht die Kraft, dies zu unternehmen, und der Ausdruck 'Atomkraft' erschreckt jeden. Die Atomenergie ist aber für die Zukunft eine Notwendigkeit", betonte Berlusconi.

Der Regierungschef zeigte sich wegen der Stromversorgungsprobleme in Italien besorgt und sprach sich für eine Revision des Gesetzes aus, das im Land den Bau von Atomkraftwerken verbietet. Italien hatte 1987 per Volksabstimmung beschlossen, auf Atomstrom zu verzichten. Die bis dahin fertig gestellten vier Kernkraftwerke wurden stillgelegt. Laut Experten ist Italien wegen dieses Beschlusses zu stark von Stromimporten abhängig geworden. Über 20 Prozent des nationalen Bedarfs kommen überwiegend aus Frankreich, aus der Schweiz und aus Österreich. Der Verzicht auf Nuklearenergie habe dem Land viel gekostet, meinte er.

Lebhafte Diskussion

Berlusconis Worte sorgten für lebhafte Debatten in Italien. "Wir werden uns von dem neuen Feldzug der Atomkraftbefürworter nicht einschüchtern lassen. Die Volksabstimmung über die Kernenergie hat Italien vor einer gefährlichen, veralteten und kostspieligen Energiepolitik gerettet. Diese Wahl hat immer noch die volle Zustimmung der Italiener", so der Sprecher der Grünen, Paolo Cento. "Die Kosten der Atomkraftwerke sind enorm, und keine Gemeinde kann sich den Bau solcher Anlagen erlauben. Es würde zu großen Protesten kommen", sagte der Physiker Massimo Scalia, Ex-Parlamentarier der Grünen.

"Italien muss die Stromquellen diversifizieren, und die Atomkraft ist der Eckpfeiler eines soliden Stromversorgungssystems", betonte der italienische Physiker Tullio Regge. Ihm zufolge sollten die Atomkraftwerke in Stand gesetzt werden, die nach der Volksabstimmung gesperrt worden waren. Auf diese Weise könnte Italien über mindestens 3.000 Megawatt Strom mehr verfügen. "Um die Atomenergie ist aus politischen Gründen eine Debatte mit Katastrophenängsten genährt worden. Dabei sind die Fortschritte in der Sicherheit der modernen Stromkraftwerke enorm", sagte der Physiker. (APA)

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