Sarkozy: "Das sind Banditen, Gesindel, ich bleibe dabei"

13. November 2005, 11:20
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Innenminister verteidigt seine Wortwahl - Unruhen gehen weiter: 394 Autos angezündet, sieben Polizisten verletzt

Paris - Die Unruhen in Frankreich haben in der Nacht zum Freitag zum ersten Mal seit mehreren Tagen nicht weiter nachgelassen. Nach vorläufigen Angaben der nationalen Polizeiführung wurden bis 4 Uhr 395 Fahrzeuge in Brand gesteckt, mehr in der Nacht zuvor, als 394 Fahrzeuge in Flammen aufgingen. 168 Menschen wurden demnach festgenommen, einer weniger als in der Vornacht.

Sieben Polizisten seien bei den Krawallen verletzt worden, davon vier in Lyon. In der Region Paris nahmen die Unruhen in dieser 15. Nacht in Folge wieder leicht zu, es brannten mehr Fahrzeuge als in der Vornacht. Dafür nahm die Gewalt in den anderen Regionen leicht ab.

Sarkozy verteidigt Bezeichnung von Jugendlichen als "Gesindel"

Innenminister Nicolas Sarkozy hat indessen die Bezeichnung französischer Vorstadtjugendlicher als "Gesindel" vehement verteidigt. "Das sind Banditen, Gesindel, ich bleibe dabei und unterschreibe das", sagte Sarkozy am Donnerstag im Fernsehsender France 2. "Wer Steine auf einen Feuerwehrmann wirft, wer von einem Haus eine Waschmaschine auf einen Feuerwehrmann wirft, wie soll man so jemanden nennen?", fragte der Minister. "Einen jungen Mann? Man nennt ihn einen Banditen, weil es ein Bandit ist", sagte Sarkozy. "Hören Sie auf, sie Jugendliche zu nennen." Viele Jugendliche in den von Krawallen betroffenen Vorstädten hatten empört auf Bemerkungen von Sarkozy reagiert, in denen er ähnliche Schimpfworte gebraucht hatte.

Zugleich wies Sarkozy die Kritik des französischen Fußball-Nationalspielers Lilian Thuram zurück, der sich als ehemaliger Vorstadtbewohner scharf gegen die Wortwahl des Ministers gewandt hatte. Der Kapitän der Nationalelf verdiene "sehr gut", sagte Sarkozy. Er lebe nicht mehr "in diesen Vierteln" und sei deshalb auch nicht von den Aussagen betroffen. Thuram hatte am Mittwoch gesagt, er fühle sich von Sarkozys Wortwahl angesprochen. Auch er sei einst "Gesindel" genannt worden. Er warf Sarkozy vor, nicht zu wissen, wovon er spreche. (APA)

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    Innenminister Sarkozy gießt Öl ins Feuer: "Man nennt ihn einen Banditen, weil es ein Bandit ist, hören Sie auf, sie Jugendliche zu nennen."

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