Russland will für Iran Uran-Anreicherung übernehmen

13. November 2005, 17:12
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Kompromiss im Atomstreit geplant - USA dementieren Kompromiss mit EU

Moskau - Im Streit um das iranische Atomprogramm ist Russland bereit, für den Iran Uran anzureichern. Moskau habe Teheran bereits im Juni einen entsprechenden Vorschlag gemacht, bisher aber keine offizielle Antwort erhalten, sagte ein Sprecher der russischen Atomenergiebehörde Rosatom am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

Der Vorschlag, aus dem Iran geliefertes Uran in Russland anzureichern, solle einen Weg aus der anhaltenden internationalen Krise um Teherans Atomprogramm weisen. Die Zeitung "New York Times" berichtete am Donnerstag, die USA und die EU-3 bereiteten einen Kompromiss vor. US-Außenministerin Condoleezza Rice widersprach dem Bericht.

Zusammenarbeit mit Russland

Die "New York Times" bezog sich auf europäische und US-Vertreter, denen zufolge der Iran nach einem Vorschlag der USA und der EU-3 aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien, künftig auf seinem Territorium weiter Uran in das gasförmige Uranhexafluorid (UF6) umwandeln könne. Diese Urankonversion ist eine Vorstufe der Uran-Anreicherung. Das UF6 müsste dann aber nach Russland zur weiteren Anreicherung geschickt werden, um zu verhindern, dass der Iran selbst waffenfähiges Material produziert. Die EU-3 verhandelten bisher mit dem Iran.

Rice sagte "kategorisch", es gebe keinen gemeinsamen Vorschlag der USA und der Europäer. Die USA seien keine Verhandlungspartei und wollten auch keine Verhandlungspartei werden. Zu dem Vorschlag, wonach der Iran künftig UF6 weiter selbst produzieren solle, sagte Rice, die USA wären darüber "sehr besorgt", wenn der Iran Vorräte an atomwaffenfähigem UF6 anlegen könnte.

Teheran hatte von der EU am Sonntag die Wiederaufnahme der Verhandlungen über sein Atomprogramm gefordert. Die EU-Außenminister hatten bei ihrem Treffen am Montag mitgeteilt, sie würden ihre Antwort auf das Angebot bald übermitteln. Zugleich forderten sie den Iran erneut auf, die Konversion von Uran zu stoppen. Die Konversion ist ein Teilschritt der Anreicherung des radioaktiven Elements. Je nach Grad der Anreicherung kann Uran zivil genutzt oder für den Bau von Atomwaffen verwendet werden. Vor allem die USA werfen Teheran vor, unter dem Mantel eines zivilen Atomprogramms den Bau von Nuklearwaffen anzustreben. (APA)

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