Wissenschafter: Völkisches Gedankengut wird oft unkritisch übernommen

10. November 2005, 20:58
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Nürnberg: Tagung zu Denktraditionen und der Mythenbildung

Nürnberg - Völkisches Gedankengut findet nach Meinung von Wissenschaftern zunehmend Akzeptanz auch in der bürgerlichen Gesellschaft. Auf einer Tagung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg setzen sich bis Samstag Forscher mit den Denktraditionen und der Mythenbildung auseinander.

Überreste dieses völkischen Denkens fänden sich nicht nur in rechtsextremen Kreisen, betonte Museumschef Ulrich Großmann. Oft werde dieses Gedankengut unkritisch übernommen und nicht genügend hinterfragt. Als Beispiel nannte Großmann Thesen zum Fachwerkbau, denen zufolge germanische Runen angeblich als Vorbilder für die Holzverstrebungen der Häuser dienten. Solche Thesen seien auch in Büchern renommierter deutscher Verlage vertreten worden. Deren Quellen ließen sich direkt auf nationalsozialistische Literatur zurückverfolgen.

"Unsinn"

Wissenschaftlich seien solche Thesen absolut nicht haltbar, stellte Großmann klar. "Das ist hanebüchener Unsinn," sagte er zu angeblichen Runen-Zeichen an Häusern wie Andreaskreuzen oder "Blitzbändern", die sich oft auch noch widersprächen. Dennoch würden diese Theorien von manchen Stadtführern unkritisch verbreitet, warnt der Berliner Historiker Uwe Puschner.

Gerade in esoterischen Kreisen werde mit den mythischen Symbolen oft spielerisch umgegangen. Runengymnastik oder Sonnwendfeiern befriedigten Sehnsüchte nach Irrationalität in einer zunehmend komplizierten Welt. Ziel der Tagung sei auch, diese Mythen zu erläutern und aus ihrer nationalsozialistischen Verengung herauszuholen, sagte Puschner. "Dabei kann man gerade im Internet über Links auch auf Seiten stoßen, deren hochgradig ideologischen Hintergrund Jugendliche nicht durchschauen." Im Vorfeld der Tagung war auf den entsprechenden Seiten und Diskussionsforen bereits Kritik an der Tagung geübt worden. (APA/dpa)

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