Tamiflu geliefert - und versteckt

16. November 2005, 08:32
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Als erstes Bundesland hat Niederösterreich 450 Kilo Tamiflu bestellt - weil im Bund "nichts weitergegangen" sei.

St. Pölten - Die Herstellerfirma Roche hat 450 Kilo Tamiflu-Pulver an das Land Niederösterreich ausgeliefert. Diese Menge reicht aus, um rund 150.000 Menschen zu versorgen. Damit ist Niederösterreich das erste Bundesland, das Tamiflu für den Einsatz bei einer möglichen Grippe-Pandemie erhalten hat.

Für den Fall eines tatsächlichen Pandemieausbruchs soll der Virenblocker besonders exponiertes und damit gefährdetes Personal von Feuerwehr, Polizei, Rettung, und Krankenhäusern vor einer Infektion bewahren.

Schon im Juni bestellt

Niederösterreich habe das Medikament bereits im Juni bei Roche bestellt, erklärt Gesundheitsreferent Landesrat Schabl (SP). Da das Bundesland die längste Schengenaußengrenze habe und auf Bundesebene "nichts weitergegangen" sei, habe man den Entschluss gefasst, quasi im Alleingang vorzusorgen. Die niederösterreichischen Planungen zur Vorsorge für den Pandemie-Fall basieren im Wesentlichen auf den Vorgeben der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Kaum in St. Pölten eingetroffen, ist das Tamiflu-Pulver an einen geheimen Ort verbracht worden. Der Lagerplatz sei "nur einigen eingeweihten Verantwortungsträgern bekannt und hat einen hohen sicherheitstechnischen Standard", so Schabl.

Angst vor Dieben

Grund für die Versteckaktion sei aber nicht die Angst, die Bürger könnten das Tamiflulager bei Ausbruch einer Pandemie stürmen wollen, sondern seien vielmehr handfeste wirtschaftliche Überlegungen. Für die 450 Kilogramm hat das Land immerhin 3,5 Millionen Euro berappt. Bei fast 7800 Euro Kosten pro Kilogramm könnte das Grippemittellager daher ein lohnendes Ziel für Kriminelle sein.

Schabl betont, dass trotz der vorsorglichen Maßnahmen - wie dem Einkauf von Tamiflu - kein Grund zur Verunsicherung bestehe. "Die Vogelgrippe ist eine Tierkrankheit. Man muss wachsam sein, braucht aber keine schlaflosen Nächte zu verbringen."

Laut Apothekerkammer besteht im Moment kein Grund sich privat mit Virenblockern einzudecken. Roche will den Privatmarkt für Tamiflu erst wieder bedienen, wenn die Versorgung von akuten Grippepatienten Patienten gesichert ist. (ran, DER STANDARD Printausgabe, 11.11.2005)

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