Rauchverbot vor Fenstern

13. November 2005, 19:12
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In Washington gilt künftig auch Rauchverbot auf der Straße - in der Nähe von Hausöffnungen

Washington - Für Raucher wird es in den USA wieder etwas ungemütlicher: Die Bürger im Staat Washington stimmten einem der schärfsten Anti-Raucher-Gesetze im Land zu und verbannten damit den blauen Dunst aus Büros, Restaurants, Bars und anderen Vergnügungsstätten.

Nicht genug damit: Der Bann gilt auch im Umkreis von 25 Fuß (knapp acht Meter) von Türen, Fenstern oder Belüftungsanlagen, durch die Tabakrauch in einen öffentlichen Raum dringen könnte. Laut Informationen der Anti-Raucher-Gruppe Campaign for Tobacco-Free-Kids gibt es keinen anderen US-Bundesstaat mit einer derart streng definierten Bannmeile.

Anti-Rauch-Vorbild New Ýork

In den politisch oft gespaltenen USA ist der Kampf gegen die Gefährdung durch das Rauchen ein einigendes Thema. New York ist dabei zum überraschenden Vorbild geworden. Bereits seit März 2003 darf man dort in geschlossenen öffentlichen Räumen nicht mehr rauchen.

Wirtschaftlicher Schaden minimal

Die New Yorker Gastronomie- und Tourismusbranche lief Sturm gegen das Gesetz und prophezeite einen Umsatzeinbruch. Bisher haben aber fast alle Studien nur minimalen wirtschaftlichen Schaden festgestellt. Mit einem Auge auf New York hat auch die Verwaltung von Boston ähnlich rigorose Einschränkungen durchgesetzt.

Offiziellen Angaben zufolge sterben in den USA pro Jahr mehr als 400.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Dass auch Passivrauchen die Gesundheit schädigt, gilt als erwiesen.

Aber der Feldzug gegen das Rauchen treibt auch extreme Blüten. Im Februar bekannte sich eine geschiedene Frau in Virginia für schuldig, die Sorgerechtsauflagen durch Zigarettenrauchen im Beisein ihrer zwei Kinder verletzt zu haben. Nur dadurch entging die 44-Jährige einer zehntägigen Haftstrafe wegen dieses Vergehens: Ihr früherer Ehemann hatte sie angezeigt.

"Staat mischt sich ein"

Verfechter der Raucherfreiheit argumentieren, der Staat mische sich durch sein Eingreifen in die Eigentumsrechte und die Privatwirtschaft ein. Man solle den Bürgern selbst überlassen, ob sie rauchen wollen.

Trotz ihrer Erfolge haben die Tabakgegner noch viel vor sich: Washington ist erst der neunte US-Bundesstaat mit einem einheitlichen Gesetz gegen öffentliches Rauchen. Laut Statistik rauchen immer noch 22,5 Prozent der US-Einwohner - kein Vergleich zu den mehr als 40 Prozent in den Sechzigerjahren, aber immerhin 46 Millionen Menschen. Vermutlich wird es künftig vermehrt um Einschränkungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen gehen, die allerdings auch schon von Richtern gekippt wurden. (dpa, DER STANDARD Printausgabe, 11.11.2005)

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