Kontakt haben wird man noch dürfen

16. November 2005, 10:20
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Vor Strafprozess-Urteilen im deutschen Wettskandal - Spur nach Österreich ist erkaltet

Berlin/Wien - "Für uns ist die Geschichte erledigt. Wir haben die Ermittlungsergebnisse an den Feldkircher Staatsanwalt Dr. Franz Pflanzner weitergeleitet." Elmar Marent, Sicherheitsdirektor für Vorarlberger, hatte bestimmt schon heißeres Material in Händen als jenes, das einige Spieler des verblichenen Bundesligisten SW Bregenz in Zusammenhang mit dem deutschen Wett- und Manipulationsskandal um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer brachte.

Vor allem Almir Tolja, der Torhüter des auf sein Konkursverfahren wartenden Absteigers der Vorsaison, wurde als möglicher Komplize jener kroatischen Brüder Ante, Milan und Filip Sapina genannt, für die Hoyzer gegen stattliches Entgelt Spiele der deutschen Regional- und zweiten Bundesliga verpfiffen hat. Dass er Kontakt mit Filip pflegte, gab Tolja zu. Man habe sich getroffen, habe miteinander telefoniert, habe SMS-Verkehr gehabt. Natürlich nichts Einschlägiges. In Österreich gab es zudem keinen Hinweis auf erhöhten Wetteinsatz bei Bregenz-Spielen.

Neue Erkenntnisse kann nur der seit 18. Oktober laufende Strafprozess gegen Hoyzer, dessen Schiedsrichterkollegen Dominik Marks sowie gegen die Brüder Sapina in Berlin bringen. Nach dem gestrigen achten Verhandlungstag und Abschluss der Beweisaufnahme wird für kommenden Donnerstag mit Urteilen durch Richterin Gerti Kramer gerechnet. Marks sorgte in seiner Aussage noch für Heiterkeit. Er habe zwar aus Neugier "auf das leicht zu verdienende Geld" insgesamt 27.000 Euro von den Sapinas genommen, dann aber aus Sorge um seine wirtschaftliche Existenz die fraglichen Spiele nicht manipuliert. "Dies ist ein juristischer Slalom unter dem Motto: Wasch mich, aber mach mich nicht nass", sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Fätkinhäuer.

Am Dienstag könnte in Bregenz gerichtet werden, im Medienprozess, den Tolja und seine beiden Ex-Kollegen Asmir Ikanovic und Dejan Grabic gegen die Neue Vorarlberger Tageszeitung angestrengt haben. In einem Interview mit der so genannten Neuen hatte Hoyzer im September bekräftigt, dass bei SW Bregenz Spiele manipuliert worden seien. Die Sapinas hätten sehr oft von Bregenz gesprochen. Filip habe oft mit dem Torhüter telefoniert. Den Namen des Torhüters konnte Hoyzer - wie bereits im Februar, als der Wettskandal in Deutschland publik wurde - allerdings nicht nennen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 11. November 2005, ag, lü)

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    Über den der Manipulation von Spielen überführten deutschen Ex-Referee Robert Hoyzer soll am Donnerstag gerichtet werden. Sein Prozess wird in Vorarlberg interessiert mitverfolgt.

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