Skoceks Zeitlupe: Licht ins Dunkel

16. November 2005, 11:40
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Carlo Platzer war jahrelang Kassier von Sturm Graz - Entweder er hat nicht aufgepasst oder der Spediteur Platzer war im Augenblick des Überholens zu feig...

Carlo Platzer war jahrelang Kassier von Sturm Graz. Entweder er hat nicht aufgepasst oder der Spediteur Platzer war im Augenblick des Überholens zu feig. Es ist schwer vorstellbar, dass Platzer nicht gewusst hat, wie hoch der Schuldenstand des Vereins ist, in dessen Vorstand er zwölf Jahre lang saß.

Oder vertraute Platzer seinem Präsidenten Hannes Kartnig blind? Vertrauen ist im Wirtschaftsleben aus der Mode gekommen, man sehe nur das aktuelle Beispiel der ÖBB, wo die Mitarbeiter nicht einmal mehr der Regierung vertrauen können und bei Widerspruch als Saboteure hingestellt werden.

Österreichs Bundesliga liegt dank der regionalen und landesmäßigen Subventionen, der hauptsächlich vom Bund finanzierten Infrastruktur und der vielen halböffentlichen Sponsoren wie die Casinos Austria in einem staatsnahen Bereich.

Die Rechtsform des Vereins räumt Sturm Graz und ihren Konkurrenten einige Freiheiten ein, die normale Unternehmen nicht genießen, und hält eine Atmosphäre aufrecht, in der das Vertrauen in patriarchalisch regierende Obmänner und Präsidenten höher geschätzt wird als die Kontrolle ihrer Tätigkeiten.

Bund, Länder und Kommunen erliegen dem Zauber dieser Gegenwelt ebenso wie (Präsidenten-)Fans. Trotz Auskunftsverweigerung entlastete am Dienstag die Mitgliederversammlung den alten Vorstand von Sturm Graz. Obwohl sich die Schulden als mindestens dreimal so hoch herausstellten wie von Kartnig behauptet. Das Land Steiermark hat Sturm (und dem GAK) je rund 2,2 Millionen Euro für ein Trainingszentrum zugeschossen, es könnte hier für Ordnung sorgen, wo die Privatwirtschaft versagt. Im eigenen öffentlichen Interesse. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 11. November 2005, Johann Skocek)

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