"Kein Grund, glücklich zu sein"

1. Dezember 2005, 12:07
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Thomas Vanek hat seine ersten beiden Tore für die Buffalo Sabres erzielt - Dennoch gab's gegen Carolina ein 3:5 - ein Interview

Standard: Sie haben 14 Spiele auf das erste Tor warten müssen. Angeblich dachte Sabres-Trainer Lindy Ruff schon daran, Sie im Farmteam Selbstvertrauen tanken zu lassen. Wie groß war der Druck, wie groß ist die Erleichterung?
Vanek: Ich hab mir keine großen Sorgen gemacht, irgendwann musste es ja so weit sein. Ich hab auch bis jetzt oft schon gut gespielt, das Glück hat halt leider gefehlt. Manchmal fällt die Scheibe rein, manchmal nicht. Ich bin lang genug auf der Null gesessen.

STANDARD: Buffalo hat zu Saisonbeginn überraschend oft gewonnen, in letzter Zeit läuft es nicht so gut. Von den jüngsten sieben Partien gingen sechs verloren, die Sabres sind Schlusslicht der Northeast Division. Wie wichtig ist Ihnen Ihre persönliche Bilanz, wie wichtig der Erfolg des Teams?
Vanek: Jetzt zum Beispiel gibt es keinen Grund für mich, glücklich zu sein. Wir hatten gegen Carolina viele Chancen, bei 44:21-Torschüssen hätten wir die Partie gewinnen müssen. Ich würde mein erstes Tor hergeben, wenn wir dafür endlich wieder gewonnen hätten. Wir müssen uns im Training auf unsere Stärken konzentrieren, dann wird's auch im Match wieder klappen.

STANDARD: Glauben Sie, dass Sie persönlich jetzt den Bann gebrochen haben?
Vanek: Ich will Tore schießen, ich will punkten, ich weiß, dass ich deshalb nach Buffalo geholt wurde. Jeden Tag geht's halt nicht. Aber sobald einer reingeht, gehen andere auch rein. Ich bin zufrieden mit meinen Leistungen, ich spiele recht beständig, gebe immer mein Bestes.

STANDARD: Sie haben mit 21 Ihren Traum verwirklicht, spielen in der NHL. Welche Ziele setzen Sie sich?
Vanek: Ich will mich kontinuierlich weiterentwickeln, habe meinen Zenit noch lange nicht erreicht. Ich weiß, dass hier in Buffalo viel von mir erwartet wird, und ich will die Erwartungen erfüllen.

STANDARD: Nur wenige Experten trauen Buffalo die Qualifikation für die Playoffs zu. Auch die Fans sind zurückhaltend, kaum mehr als 13.000 kommen zu den Heimspielen. Wie können die Skeptiker überzeugt werden?
Vanek: Es ist nicht leicht hier in Buffalo, die Fans und die Medien sind sehr kritisch. Viele wollen nicht wahrhaben, dass der Klub einen neuen Weg eingeschlagen hat. Es wurden nicht die großen Superstars geholt, aber die Mannschaft ist gut. Wir spielen offensiv, wir spielen attraktiv, über kurz oder lang wird das honoriert. Die Playoffs wären ein Riesenerfolg, wir haben das Zeug dazu.

STANDARD: Sie sind als 14-Jähriger nach Kanada übersiedelt, haben in diversen Nachwuchsligen aufgetrumpft und sich hochgedient. Wie schwierig war es, die Heimat und die Eltern zu verlassen?
Vanek: Es war nicht einfach, für mich nicht, für die Eltern nicht. Aber ich wollte unbedingt mein Eishockey verbessern, das ging nur in Amerika. Zu Weihnachten und im Sommer war ich immer daheim in Graz, und herüben hab ich bei einer Gastfamilie gelebt. Ich hab's immer so gesehen, dass ich keine Familie verloren, sondern eine zweite Familie dazu gewonnen habe.

STANDARD: Sollten Sie, was wir gleichzeitig hoffen und natürlich nicht hoffen wollen, mit Buffalo die Playoffs versäumen, so würde es sich ausgehen, dass Sie mit Österreich bei der B-WM in Tallinn um den Wiederaufstieg spielen. Würden Sie wollen?
Vanek: Ich hab mir das angesehen im Internet, die Möglichkeit gibt's tatsächlich. Ich spiele immer gerne für Österreich, da leben meine Freunde, da bin ich aufgewachsen.

ZUR PERSON:

Thomas Vanek (21), Sohn tschechoslowakischer Einwanderer, wuchs in Salzburg und vor allem in Graz auf, sein Vater war Eishackler, ist Nachwuchstrainer. Studierte in Minneapolis. Als Nr. 5 von Buffalo gedraftet. Nach Christoph Brandner und Thomas Pöck dritter NHL-Torschütze Österreichs. Bei Buffalo mit 12 Punkten zweitbester Scorer hinter Daniel Briere (16, 10 Tore/6 Assists). (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 11. November 2005, Fritz Neumann)

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    "Jeden Tag geht's halt nicht. Aber sobald einer reingeht, gehen andere auch rein. Ich bin zufrieden mit meinen Leistungen, ich spiele recht beständig, gebe immer mein Bestes."

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