Bagdad plant Ersatz für ermordete Anwälte im Saddam-Prozess

12. November 2005, 10:43
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Anwälte-Boykott nach zwei Morden - Polizeischutz nicht angenommen

Bagdad - Nach der Boykott-Ankündigung der Verteidiger im Saddam-Prozess hat die irakische Regierung die Möglichkeit der Ernennung neuer Anwälte ins Spiel gebracht. Dies sei eine Möglichkeit, mit der das Sondertribunal auf die Boykott-Ankündigung reagieren könne, sagte Regierungssprecher Laith Kubba am Donnerstag in Bagdad. Zugleich kritisierte er die Ankündigung der Verteidiger als einen Versuch, Druck auf das Gericht und den Prozessverlauf auszuüben.

Nach der Ermordung eines zweiten an dem Prozess beteiligten Anwalts hatten die verbliebenen Verteidiger am Mittwoch einen Boykott des Verfahrens angekündigt. Die Anwälte hatte dies mit anhaltenden Drohungen gegen sie begründet. Zudem hatten sie die internationale Gemeinschaft aufgefordert, sich für einen Abbruch des Prozesses einzusetzen. In dem Verfahren werden dem ehemaligen irakischen Präsidenten und sieben Mitangeklagten Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Verlegung ins Ausland abgelehnt

Regierungssprecher Kubba sagte am Donnerstag, die Anwälte hätten vor Prozessbeginn wiederholt das Angebot von Polizeischutz zurückgewiesen. Auch hätten sie es nach dem ersten Mord abgelehnt, in sichere Gebäude innerhalb der "Grünen Zone" in Bagdad zu ziehen. "Wenn jemand seinem Schutz nicht zustimmen will, können wir ihn nicht dazu zwingen", sagte Kubba. Der irakische Präsident Jalal Talabani sagte in Rom ebenfalls, die Regierung sei zum Schutz der Anwälte bereit, werde darum aber nicht gebeten. Forderungen nach einer Verlegung des Verfahrens ins Ausland hat die Regierung wiederholt zurückgewiesen. Der Vorsitzende Richter des irakischen Sondertribunals hatte nach der Boykott-Ankündigung erklärt, das Gericht werde über die Entwicklung beraten und in den kommenden Tagen eine Entscheidung fällen. (APA/Reuters)

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