Medion will nach Gewinneinbruch Vertriebsstruktur prüfen

21. November 2005, 15:38
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Der mit hohen Kosten kämpfende Elektronikhändler will auch sein Produktangebot unter die Lupe nehmen

Düsseldorf - Der mit hohen Kosten kämpfende Elektronikhändler Medion will nach einem erneuten Gewinneinbruch in den ersten neun Monaten sein gesamtes Produktangebot und die Vertriebsstrukturen unter die Lupe nehmen. Für das Gesamtjahr erwartet der Lieferant der Aldi-Computer unverändert einen deutlichen Ergebnisrückgang.

"Wir sind uns bewusst, dass wir mit Blick auf die Kostensituation insgesamt noch einen herausfordernden Weg vor uns haben", sagte Finanzvorstand Christian Eigen am Donnerstag. Nach dem Weihnachtsgeschäft, dass immerhin 50 Prozent des Jahresumsatzes ausmacht, werde Medion das Produktportfolio und den Vertrieb auf eine Mindestprofitabilität überprüfen. Im Laufe des ersten Quartals 2006 werde dann die endgültige Entscheidung über den Maßnahmenkatalog fallen - ob es etwa Sinn mache, 50 Toaster nach Portugal zu verkaufen, so Eigen.

Medion vertreibt seine Elektronik- und Elektroartikel - vom Küchengerät bis zum Plasmabildschirm - über Einzelhändler wie Aldi, Tchibo, Metro, die britische Tesco oder die französische Carrefour. Diese Vertriebsform und der dazugehörige Kundendienst verursachen enorme Kosten. Gleichzeitig leidet Medion unter dem Preisverfall für viele Artikel.

Nicht ausreichende Entlastung bisher

In den ersten neun Monaten brach der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um rund 70 Prozent auf 18,7 Mio. Euro ein, der Überschuss auf 10,1 (Vorjahr: 34,4) Mio. Euro. Trotz bereits eingeleiteter Kostensenkungen sei eine spürbare Entlastung der Service- und Vertriebskosten bisher nicht erreicht worden, erklärte der Finanzvorstand. Vielmehr seien eben diese Aktivitäten mit zusätzlichem Personal ausgebaut worden. Die Anzahl der Mitarbeiter stieg auf 1507 (1401). Daneben habe der Preisverfall bei Digitalkameras und DVD-Playern den Ertrag geschmälert.

Der Umsatz sank bis Ende September auf 1,45 (1,56) Mrd. Euro. Wenngleich im dritten Quartal wegen der hohen Nachfrage nach Notebooks, mobilen Navigationsgeräten und Flachbildschirmen der Umsatz gestiegen sei, hätten die im ersten Halbjahr verbuchten Einbußen nicht ausgeglichen werden können. Darüber hinaus war das Auslandsgeschäft rückläufig. Eine abgeschwächte Konsumneigung sowie der Preisverfall vor allem in Frankreich, Holland und Italien hätten zu einem Rückgang des Auslandsumsatzes auf 524 (647) Mio. Euro geführt. Gleichzeitig kletterten in Deutschland aber die Erlöse auf 926 (910) Mio. Euro.

Aktien gaben nach

Die im Nebenwerteindex MDax notierten Aktien gaben im Tagesverlauf um knapp vier Prozent auf 11,00 Euro nach. Die Analysten der WestLB senkten ihre Einstufung für die Aktie auf "Neutral". Kurzfristig sei es schwierig, positive Katalysatoren zu erkennen, da sich die Umsätze nicht so gut wie erwartet entwickelt hätten, hieß es zur Begründung.

Für das Gesamtjahr geht der Vorstand unverändert von einem deutlichen Gewinnrückgang gegenüber 2004 aus. Präzise Prognosen seien aber wegen der kurzfristigen Bestellungen der Kunden nicht möglich. Angesichts des aktuellen Auftragseingangs werde im vierten Quartal ein Umsatz auf Vorjahreshöhe erwartet, hieß es lediglich. Ob erneut die Dividende gekürzt werde, wollte Eigen nicht sagen.

2004 war Medion in den Sog der Konjunkturschwäche geraten. Hohe Fixkosten und sinkende Absatzpreise hatten den Überschuss auf 50,7 Mio. Euro halbiert. Die Dividende wurde auf 0,55 (0,70) Euro gekürzt.(APA/Reuters)

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