Wiener war bei Piratenangriff auf Kreuzfahrtschiff vor Somalia dabei

13. November 2005, 19:12
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"Hatte keine Todesangst" - Fotografierte und filmte den Angriff

Wien - Der Wiener Herbert B. (57) war bei dem bewaffneten Piratenangriff auf das Kreuzfahrtschiff "Seabourn Spirit" am vergangenen Samstag vor der Küste Somalias dabei. Jetzt ist er von der 16-tägigen Reise von Alexandria zu den Seychellen nach Wien zurückgekehrt. Im Gespräch mit der APA schilderte er seine Erlebnisse.

Mit Kalaschnikows beschossen

Gegen 5.45 Uhr habe der Kapitän die schlafenden Touristen über die Sprechanlage aufgefordert, in den Kabinen zu bleiben, "da auf uns von beiden Seiten des Schiffes geschossen werde", sagte der 57-Jährige. Zwei etwa sieben Meter lange Boote mit je fünf Männern an Bord folgten der "Seabourn Spirit" etwa auf der Höhe von Mogadischu und beschossen das Kreuzfahrtschiff mit Kalaschnikows und einer Panzerfaust - für letztere besaßen die Aggressoren aber laut B. "offensichtlich nur zwei Schuss".

Fotos und Film

"Wir wurden aufgefordert, uns in den Speisesaal zu begeben", sagte B. "Ich habe mich aber geweigert und habe fotografiert und gefilmt." Panik sei unter den Passagieren keine ausgebrochen. "Manche waren sich der tatsächlichen Gefahr, glaube ich, nicht wirklich bewusst." Er selbst habe aber keine Todesangst verspürt.

Der Angriff der Piraten dauerte nach Angaben des Österreichers rund eine halbe Stunde. "Der Kapitän hat aus meiner Sicht richtig reagiert und versucht, Wellen zu machen und die Boote zu rammen. Dann sind wir mit Vollgas aufs offene Meer hinaus." Der amerikanische Raketenkreuzer USS Gonzales sei angefunkt worden und habe dem Kapitän Unterstützung signalisiert: "Wenn uns die Piraten näher als zehn Seemeilen gekommen wären, dann hätten sie von der Gonzales Raketen aufs Dach bekommen." Später habe man sicher die Seychellen erreicht, wo man auch von FBI-Beamten interviewt worden sei.

Keine Klage

"Einige der amerikanischen Passagiere haben bereits nach geglückter Flucht eine Sammelklage überlegt", erzählt B. Er selbst habe sich über das Entgegenkommen der Reederei gefreut, die jedem der betroffenen Passagiere - verletzt wurde bei den Angriffen niemand - sieben Tage Gratis-Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff angeboten hat. "Das nehme ich natürlich gerne an."

Piratenangriffe vor Somalia gibt es immer öfter: Mitte Oktober hatten Piraten zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate ein Schiff mit Hilfsgütern der Vereinten Nationen gekapert. Somalia hat die internationale Gemeinschaft um Unterstützung bei der Bekämpfung von Piraten gebeten. Die Verbrecher verfügen nach Angaben der UNO über automatische Waffen, Raketenwerfer, Satellitentelefone und Satellitennavigationsgeräte. (APA)

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