Sinkende Zuversicht unter Österreichs Arbeitnehmern

21. November 2005, 14:43
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Immer weniger Arbeitnehmer schätzen die wirtschaftliche Zukunft Österreichs positiv ein - "Eine sehr bedenkliche Entwicklung" so IFES-Experte Michenthaler

Wien - Immer weniger Arbeitnehmer schätzen die wirtschaftliche Zukunft Österreichs positiv ein. Waren es im Frühjahr 2001 noch 81 Prozent, sind es jetzt nur mehr 65 Prozent, wie der aktuelle Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt. Der Anteil der Pessimisten könnte schon bald überwiegen, erläuterte Georg Michenthaler vom IFES-Institut am Donnerstag bei der Präsentation der Studie. "Eine sehr bedenkliche Entwicklung". Die Zuversicht verschwinde tendenziell.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Bei der Frage nach der wirtschaftlichen Zukunft Österreichs finden sich auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Nur 62 Prozent der Frauen sind "sehr oder eher optimistisch". Und auch die Ausbildung hat Einfluss: So gibt es bei den Personen mit Pflichtschulabschluss nur 55 Prozent Optimisten, bei den Hochschulabsolventen sind es dagegen 69 Prozent, bei den Maturanten 75 Prozent. Diese Gruppe verfüge über relativ gute Chancen im Berufsleben, das beeinflusse auch die Sicht auf die Zukunft, so Michenthaler.

Der Index selbst liegt seit Herbst 2004 unverändert bei 108 Punkten. Nach Ansicht des Präsidenten der AK Oberösterreich, Johann Kalliauer, drückt das die gedämpfte, nicht sehr optimistische Stimmung unter Österreichs Arbeitnehmern aus. Und auch wenn der Index gleich geblieben sei, tue sich "hinter der Gesamtzahl" doch einiges. So würden die Einzelauswertungen zeigen, dass vor allem Personen mit Pflichtschulabschluss immer weiter zurückfallen. Zudem würden die Arbeitnehmer den Druck am Arbeitsplatz sehr stark und negativ spüren, das schlage sich vor allem in der Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft durch.

"Etwas unbestimmte Haltung"

Für Christoph Hofinger vom SORA-Institut kommt im Gesamtindex die "abwartende" und "etwas unbestimmte" Haltung zum Ausdruck. Die Arbeitnehmer wüssten nicht, wohin es gehen werde. Gleich geblieben ist auch die Zufriedenheit mit der Arbeit selbst, es findet sich mit 75 Indexpunkten der selbe Wert wie noch vor fünf Jahren. "Wenn ich froh sein muss, dass ich überhaupt einen Job haben, bin ich natürlich zufriedener", erklärt Hofinger das Ergebnis. So hätten 2001 noch 38 Prozent ihren Arbeitsplatz als sehr sicher wahrgenommen, 2005 nur noch 28 Prozent.

Insgesamt streben aber 15 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen einen Firmenwechsel oder überhaupt einen vollständigen Wechsel des Berufs an. Allerdings finden sich auch hier Unterschiede zwischen verschiedenen Berufsgruppen. "Klassische Fluchtbranchen" sind laut Michenthaler etwa der Einzelhandel und der Fremdenverkehr. Bei letzterem streben etwa 36 Prozent der Männer einen Wechsel an, bei den Frauen sind es 27 Prozent. Wenig "Fluchtendenzen" gibt es dagegen etwa in der Geld- oder Versicherungsbranche. (APA)

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