Sony kündigt umstrittenen CD-Kopierschutz für Europa an

11. November 2005, 15:18
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Konzern spricht von normaler Kopierschutz-Technik, deren Installation der Nutzer mit dem Lizenzvertrag ausdrücklich zustimme - US-Konsumenten verklagen Sony

Sony will sein umstrittenes Kopierschutzverfahren für Musik-CDs "im Laufe des nächsten Jahres" auch in Europa einführen. Bisher wurden nur CDs für den US-Markt mit dem Kopierschutz XCP versehen. Dies teilte Sony BMG Continental Europe am Donnerstag mit.

Kritik

Vergangene Woche ist Sony mit dem Kopierschutz ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Durch einen Eintrag im Weblog von Sysinternals wurde bekannt, dass beim Einlegen einer mit XCP geschützten CD eine verborgene Software startet, die vom User unentdeckt permanent das System überwacht, den Prozessor belastet und anderen Schädlingen Tür und Tor öffnet.

Sony sieht in der vom Technologie-Unternehmen First 4 Internet entwickelten Software, lediglich eine normale Kopierschutz-Technik. Der Installation der Dateien stimme der Nutzer mit dem Lizenzvertrag ausdrücklich zu.

Missverständnisse

Europa-Chef Maarten Steinkamp betonte, dass Digital Rights Management Software, wie XCP, derzeit das beste und sinnvollste Verfahren sei, um das geistige Eigentum des Unternehmens und das der Künstler zu verwalten. Sony will allerdings ab 2006 das Kopieren von CDs für den privaten Gebrauch neu regulieren.

Consumer Digital Rights

In Brüssel wurde am Donnerstag, die Kampagne "Consumer Digital Rights" gestartet. Der Verband der Europäischen Verbraucherschutzzentralen will damit die User über ihre Rechte aufklären und den "Desinformationsversuche" der Industrie entgegenwirken. Der Verband richtet sich mit der Kampagne auch gegen DRM-Software. In der Erklärung der digitalen Nutzungsrechte deklariert der Verband unter anderem das Recht, "von technischen Innovationen profitieren zu dürfen und nicht kriminalisiert zu werden".

Klagen gegen Sony

Sony-BMG erwarten währenddessen drei Gerichtsverfahren. Der New Yorker Anwalt Scott Kamber plant eine Sammelklage, bei der er sämtliche US-Kunden des Konzerns, die geschädigt wurden, vertreten will. Ein kalifornischer Staatsanwalt will Sony-BMG per Gericht davon abhalten, weiter CDs mit der DRM-Software XCP zu verkaufen und fordert Wiedergutmachung für betroffene Kalifornier. Die Organisation zum Schutz digitaler Rechte, Electronic Frontier Foundation (EFF), sammelt Berichte über Schäden durch XCP und will damit ein Gerichtsverfahren starten. EFF hat auch eine Liste mit Titeln, die den Kopierschutz enthalten veröffentlicht. Sony BMG hält sich diesbezüglich bedeckt. Es seien etwa 20 CDs, heißt es. (APA/red/dpa/pte)

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