UN-Klimakonferenz: Pröll erwartet keine Einigung zu Emissionszielen

10. November 2005, 12:39
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"Das wäre eine Illusion" - Umweltminister jedoch hinsichtlich der heimischen Kyoto-Ziele optimistisch

Wien - Umweltminister Josef Pröll (V) will den Bogen bei der kommenden UN-Klimaschutzkonferenz im kanadischen Montreal "nicht überspannen". Eine Einigung zu möglichen Emissionszielen in der Post-Kyoto-Periode sei nicht zu erwarten: "Das wäre eine Illusion", meinte der Minister bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Optimistisch ist Pröll hingegen, was die Erreichung der heimischen Kyoto-Ziele angeht.

Bei dem Treffen der Vertragspartner des Kyoto-Protokolls werde es vor allem darum gehen, "möglichst viele Staaten mit ins Boot" zu holen, sagte Pröll. Vor allem China, Indien und die USA sollen künftig eingebunden werden. Als Anreiz für die afrikanischen Länder soll der Zugang zu so genannten Clean Development Mechanismen (CDM), ein flexibler Mechanismus für arme Länder, vereinfacht werden.

"Standpunkt"

Man werde in Montreal "mit einem klaren europäischen Standpunkt erscheinen", sagte Pröll, der kürzlich wegen der bekannt gemachten Ziele der EU bei der Konferenz kritisiert wurde. So müssen der Anstieg der durchschnittlichen Oberflächentemperatur auf höchstens zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzt und die Treibhausgase durch die Industriestaaten gegenüber 1990 um 15 bis 30 Prozent bis 2020 gesenkt werden.

Was die Erreichung der heimischen Klimaziele bis zum Jahr 2012 angeht, ist der Umweltminister guter Dinge: Die Instrumente Wohnbauförderung, Emissionshandel oder Biodieselbeimischung seien erst heuer in Kraft getreten, sagte er. Sobald diese zum Tragen kommen, könne man für die Bilanz des Jahres 2005 "optimistisch sein", bekräftigte er. Gemäß dem Kyoto-Protokoll hat sich Österreich dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen verglichen mit dem Stand von 1990 um 13 Prozent zu senken.

Heimische Klimastrategie

Gleichzeitig wird weiterhin an der Anpassung der heimischen Klimastrategie gearbeitet: Dies geschehe unter anderem anhand der am Donnerstag veröffentlichten "Luftschadstoffinventur" des Umweltbundesamtes. Konkrete Pläne sollen im Frühjahr vorliegen, sagte Pröll.

Pröll und der Generalsekretär des Umweltministeriums, Werner Wutscher, verwiesen auf die steigende Bedeutung von erneuerbarer Energie. Wutscher, der in den vergangenen Tagen die internationale Konferenz zu erneuerbarer Energie in Peking besucht hat, berichtete davon, dass bereits 46 Staaten inklusive zehn Entwicklungsländern selbst Zielwerte für den Anteil erneuerbarer Energie gesteckt hätten. In den USA seien in diesen Sektor - ohne Wasserkraft - im Jahr 2004 rund 30 Mrd. Dollar geflossen. Wutscher sprach von einem "Paradigmenwechsel" unter anderem wegen der hohen Treibstoffpreise und des steigenden Energiebedarfs von Ländern wie China oder Indien. (APA)

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