Rechnungshof: Matt zählte auch "mögliche Besucher"

17. November 2005, 19:09
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Scharfe Kritik im Endbericht über die Kunsthalle Wien

Wien - Die Kunsthallen in Bregenz, Krems und Wien haben eines gemeinsam: Sie produzieren weit mehr Kataloge, als sie verkaufen. Dieses Faktum kritisiert der Rechnungshof in einem Bericht, der am Donnerstag dem Nationalrat übermittelt wurde. Daher sind auch die Empfehlungen identisch: Die Auflagenhöhe sollte "realistisch" sein, es sei auf "einen möglichst hohen Deckungsgrad" zu achten.

Die Häuser in Krems und Bregenz kamen ansonsten gut weg - im Gegensatz zur Wiener Kunsthalle. Denn die von Direktor Gerald Matt verlautbarten Besucherzahlen "entsprachen in einem erheblichen Ausmaß nicht den tatsächlichen". 2003 besuchten eben nicht 184.658 Personen die Kunsthalle, sondern nur 110.869. Die Anzahl "war somit um 73.789 Besucher oder 40 Prozent geringer".

Matt hatte einfach die Eintrittskarten von Kooperationspartnern (z.B. ImPulsTanz) hinzugezählt, die auch zum Gratiseintritt in die Kunsthalle berechtigten. Er verteidigte sich dahingehend, dass es international üblich sei, "alle verkauften Tickets in der Besuchererfassung zu berücksichtigen und nicht die Leistungskonsumation". Der RH entgegnete, dass bei dieser Vorgangsweise die Besucherzahlen von Institutionen, die ihre tatsächlichen Besucher, und solchen, welche auch "mögliche Besucher" ausweisen, nicht mehr miteinander verglichen werden können.

Weiters fordert der RH eine Reduktion der Freikarten. Denn im Jahr 2000 musste ein stolzes Drittel der Besucher keinen Eintritt zu bezahlen, im Jahr 2003 immerhin ein Fünftel. Der Wiener Stadtsenat gab dem RH völlig Recht: Die Kunsthalle "wurde aufgefordert, der Empfehlung Folge zu leisten" - und primär die tatsächlichen Besucherzahlen im Kernbereich der Kunsthalle anzugeben. Weiters solle sie "eine Reduktion der Freikarten vornehmen". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2005)

Von Thomas Trenkler
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