Öl-Multis verteidigen Rekordgewinne

21. November 2005, 14:31
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Die Chefs der größten Öl-Firmen weisen vor dem US-Kongress den Vorwurf der Abzocke zurück und warnen vor einer Sondersteuer

Washington - Die Vorstandschefs von fünf großen Ölkonzernen haben am Mittwoch im US-Kongress Rechenschaft über die jüngsten Rekordgewinne der Industrie abgelegt. Sie waren vor einen gemeinsamen Ausschuss von Senat und Abgeordnetenhaus zitiert worden.

Der Argwohn wachse, dass die Firmen von den hohen Rohölpreisen unfair profitiert hätten, sagte der Vorsitzender im Senats- Energieausschuss, Peter Domenici.

Die Konzernchefs wiesen die Vorwürfe zurück. Der Vorsitzende von ConocoPhillips, Jim Mulva, sagte, sein Unternehmen habe für jedem Dollar Umsatz knapp acht Cents Gewinn gemacht: "Wir betrachten das nicht als außergewöhnlichen Gewinn."

Shells Vorstandsvorsitzender John Hofmeister sagte, sein Unternehmen habe in den vergangenen fünf Jahren soviel investiert wie in dem Zeitraum in den USA verdient. Exxon Mobil-Chef Lee Raymond meinte, die Gewinne stiegen und fielen eben von Jahr zu Jahr.

33 Milliarden Dollar im dritten Quartal

Die Ölfirmen hatten im 3. Quartal dieses Jahres 33 Milliarden Dollar (28 Mrd Euro) Gewinn gemacht. Der Ölpreis erreichte 70 Dollar pro Barrel und Benzinpreise zogen kräftig an. Mitgrund waren die Hurrikans "Katrina" und "Rita", die einen Großteil der Ölförder- und Raffineriekapazität an der US-Golfküste wochenlang lahm legten.

Im Golf wurden nach Angaben der US-Regierung von Mittwoch noch 737.000 Barrel oder 49 Prozent weniger gefördert als vor den Hurrikans.

Sondersteuer

Demokraten haben eine Sondersteuer auf die außergewöhnlichen Gewinne gefordert. Der Industrie eigentlich gewogene Republikaner haben einen solchen Schritt nicht ausgeschlossen.

Sie werfen den Firmen vor, zu wenig in mehr Raffineriekapazitäten zu investieren und die Preise mit dem knappen Angebot hoch zu halten. Exxon-Chef Raymond warnte vor Sondersteuern.

"Die Geschichte lehrt, dass Strafmaßnahmen, die hastig und als Reaktion auf kurzfristige Marktfluktuationen verhängt werden, unbeabsichtigte negative Folgen haben können" - etwa Widerwillen gegen Investitionen, sagte er. Eine nach dem Ölpreisschock der 70er Jahre eingeführte Sondersteuer habe zu einem noch knapperen Angebot geführt. (APA/dpa)

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    Die Chefs von fünf Öl-Multis mussten dem US-Kongress Rede und Antwort stehen (von l.):Lee Raymond (Exxon Mobil), David O'Reilly (Chevron), James Mulva (ConocoPhillips), Ross Pillari (BP America) und John Hofmeister (Shell).

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