Liegestuhltäter bei der Arbeit

16. November 2005, 18:46
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Die müßig im Garten herumhängen, das waren am Land immer die Städter - Beim Urlaub am Bauernhof in Umbrien kann das aber auch anders aussehen

Es sollte eigentlich eine Milchmädchenrechnung sein: eine wunderbare Landschaft im Südzipfel von Umbrien, bekannte Kulturmagnete wie Bomarzo oder Viterbo in der Nähe, Rom nur eine Stunde entfernt - da müsste ein Urlaub am Bauernhof doch sozusagen eine gemähte Wiese sein.

Doch man soll die Rechnung nicht ohne die Landwirte machen, und die sind nun einmal Italiener. "Die gehen alle individuell vor", sagt Anna Fontana Arnaldi über die Höfe in der Gegend, die agriturismo anbieten, "es gibt keine gemeinsame Strategie. Wir hatten einmal ein Treffen vereinbart, um über eine bessere Organisation zu beraten. Niemand ist gekommen."

Fontana betreibt selbst einen Hof nicht weit von dem mittelalterlichen Paradeort Amelia. Vor zwanzig Jahren hat die Familie ihn entdeckt, "nicht einmal wir Römer kannten die Gegend". Aus einem verlassenen Haus mit großem Grundstück haben sie einen kleinen Betrieb gemacht, der nicht nur Apartments vermietet und neben Pool und Olivenöl vor allem sehr viel Ruhe anbietet, sondern auch als Landwirtschaft funktioniert - was man zum Beispiel bei der Olivenernte hautnah miterleben kann.

Das ist eigentlich Voraussetzung...

... für das Prädikat agriturismo in Italien. In den frühen Neunzigern zum ersten Mal in Mode, boten die Bauernhöfe auch Gelegenheit zur Mitarbeit an. Sie wurde aber so wenig wahrgenommen wie auf dem Hof von Josef Haders Eltern: Die aus der Großstadt sind die im Liegestuhl.

Wie auch immer, inzwischen wird es auf etlichen Höfen mit dem Produktionsbetrieb nicht immer ernst genommen, mit der offiziellen Rechnung ebenso wenig. Das alles, meint Anna, habe dieser speziellen Urlaubsform nicht gut getan. Doch sie sieht Chancen. In den letzten Jahren sei nämlich der Badetourismus erst recht in die Krise geschlittert - zu teuer, zu laut, zu veraltet. Die Italiener weichen in andere Mittelmeerländer aus. Oder sie entdecken ihr eigenes Hinterland. "Langsam merken wir, dass zumindest die Kurzurlaube an langen Wochenenden wieder zunehmen."

Den Nicht-Italienern kann die Gegend um Amelia erst recht empfohlen werden. Terni, Narni, Lugnano, Todi sind nicht weit und lohnen mindestens je einen Besuch. In einer Auto- oder, noch besser, da sorgenloser, in einer Pendlerzugstunde ist man mitten in Rom. Vor allem aber ist man gerne einfach da, wo man ist. Für einen Urlaub, der diesen Namen verdient, keine schlechte Voraussetzung.

Allgemeine Informationen

Staatliches italienisches Fremdenverkehrsamt E.N.I.T. Kärntner Ring 4, A-1010 Wien, Tel.: +43 (0)1 505 16 39, Fax: +43 (0)1 505 02 48
Gebührenfreie Servicenummer für Prospektanforderungen:
Tel.: 0080000482542; Email, www.enit.it
Öffnungszeiten: Mo bis Do 9.00 bis 17.00, Fr 9.00 bis 15.30 Uhr
Agriturismo: www.agriturismo.com/conteracani
Anreise: z. B. mit dem Redticket der Austrian nach Rom ab 99 Euro, www.aua.com oder Tel.: 05 17 89.
(Michael Freund/Der Standard/rondo/11/11/2005)

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    Umbrien gilt als "grünes Herz" Italiens

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