Telekom debattiert über Strategie

21. November 2005, 12:48
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Aufsichtsrat diskutiert Struktur, Zahlen und Chef-Verträge

Wien - Der Aufsichtsrat der Telekom Austria wird nächsten Dienstag nicht nur den - lang angekündigten - Umbau in eine Holding diskutieren, sondern auch die Strategie des teilstaatlichen Telekomkonzerns. Das sieht zumindest die Einladung zur turnusmäßigen Herbstsitzung vor. Auf deren Agenda stehen Neunmonatsbilanz und Budget 2006.

Nicht auf der Tagesordnung: die Vorstandsfrage, respektive die Debatte über diverse Vertragsverlängerungen. "Darüber wird zu reden sein", sagt ein Kapitalvertreter, der nicht genannt werden will, zum STANDARD. "Der Hauptaktionär, also die ÖIAG, muss endlich sagen, was Sache ist. Es fehlt die Strategie."

Heißt auf gut Deutsch: Da die Verträge von Generaldirektor Heinz Sundt und Finanzchef Stefano Colombo im Vorjahr nur bis April 2007 verlängert wurden, muss der Aufsichtsrat unter Vorsitz von ÖIAG-Chef Peter Michaelis bis April 2006 schriftlich mitteilen, ob er die Mandate prolongieren will - oder eben nicht.

Ausstehende Erklärung

"Diese Erklärung steht noch immer aus", sagt ein anderer Kapitalvertreter genervt. "Sie ist aber entscheidend für die Nachbesetzung." Derzeit wisse man nicht einmal, für welche Funktionen Nachbesetzungen zu suchen seien. Suchen soll ein Personalberater, den der Aufsichtsrat ebenfalls erst aussuchen muss.

Stark verwässert wurde inzwischen die Holding-Struktur, die der Vorstand zur Beschlussfassung vorlegen wird. "Das wird keine klassische Holding", will ein hoher TA-Funktionär wissen. Manche Zentralfunktionen würden effizienter gebündelt als bisher, mehr nicht.

Es deute außerdem viel darauf hin, dass das Festnetz um Personalkompetenz, Rechnungswesen und Einkauf erweitert wird, um endlich klare Strukturen zu schaffen. Eine echte "Verschwesterung" - die Mobilkom ist eine Aktiengesellschaft des TA-Festnetzes - sei aber unwahrscheinlich.

Unabhängig davon sehen Kontrollore die künftige Konzernstrategie der TA am ehesten als "regionaler Mobilfunker mit starkem Inlandsfestnetz". Das sei logisch - und überfällig, schließlich sei der Mobilfunk die Cash-Cow. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.11.2005)

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