Wege zum Geständnis

15. November 2005, 12:59
posten

Handschrauben und Schandmasken in der 57. Auktion "im Kinsky"

Wien - Zimperlich waren die im Dienst der Wahrheitsfindung stehenden Agitatoren der Rechtsprechung im Mittelalter und der Frühen Neuzeit nicht. Zum Erwirken von Geständnissen wurden grausame Apparaturen eingesetzt, die Schädel quetschten, Brüste oder gar den Unterleib zerrissen. Eine Sammlung solcher Folterinstrumente, die oft und wie in diesem Fall Teil einer zusammengetragenen Kunst- und Wunderkammer bilden, gelangt im Rahmen der 57. Auktion (Antiquitäten), am 23. November "im Kinsky" zur Versteigerung.

Gemeint sind hier aber nicht umfunktionierbare Objekte wie die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Zähne von Sägefisch (1000-2500 Euro) und Narwal (7500-15.000 Euro) oder das Paar gotischer Wandleuchter mit äußerst spitzen Dornen (3500-7000 Euro), sondern Foltergeräte, die Laien wohl auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen vermögen.

Ebenso wenig ist der hier angebotene Keuschheitsgürtel aus dem 16. Jahrhundert (1500-3000 Euro) dem Foltergebiet zuordenbar. Entgegen dem Irrglauben, dieser wurde unter Zwang angelegt, trugen Frauen derartige Geschirre eher freiwillig - zum Schutz vor Vergewaltigungen im rauen Mittelalter.

Fantasie und gezielte Abschreckung sind elementare Teile dieses Kapitels der Kulturgeschichte, wozu auch einmal übertriebene Darstellungen mittels Flugblättern zur Verteilung gelangten, die gleichzeitig die Effizienz der Rechtspflege demonstrierten.

Eine authentische Darstellung von Foltermethoden findet sich in der Peinlichen Gerichtsordnung Kaiserin Maria Theresias von 1768. Dieses für die habsburgischen Erblande Österreich und Böhmen ( Ungarn ausgenommen) erlassene Gesetz hatte punkto Folter allerdings nur eine kurze Lebensdauer, es wurde 1776 wieder außer Kraft gesetzt.

In zwei Passagen liefert die Gerichtsordnung pedantisch genaue Anleitungen zu den in Wien und Prag gebräuchlichen Instrumenten und Methoden, die auch jenen sonst im Heiligen Römischen Reich gepflogenen Wegen zum Geständnis entsprachen.

Ziel dieses Gesetzes war dabei nicht das Forcieren, sondern die Verhinderung von Foltermethoden nach Belieben. In die vergleichsweise harmlose Kategorie psychischer Grausamkeiten fällt die als Ehrenstrafe im Mittelalter gängige Schandmaske, die den Beschuldigten öffentlich zum Gespött machten. Die Untaten sind dabei leicht erkennbar, wie die auf 3500 bis 7000 taxierte Variante belegt: Heimliche Lauscher (lange Ohren), Neugier (lange Nase) und gehässige Schwätzer, die Gerüchte verbreiteten (lange Zunge). Schmerzhafte Verletzungen waren beim Anlegen der Handschraube, aktuell in Form eines wilden Mannes (2500-5000 Euro), garantiert: Durch rückseitiges Zuschrauben der Mundöffnung wurde die hineingesteckte Hand gequetscht.

Die Herstellungsregionen der Folterinstrumente sind nicht immer belegt, aktuell - ohne dabei unqualifizierte Rückschlüsse zu ziehen - stammen sie aus Krems und der Steiermark. (kron /DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.11.2005)

  • Kremser Version mittelalterlichen Strafvollzugs: Schandmaske für Ehrabschneider (3500-7000 €).
    foto: im kinsky

    Kremser Version mittelalterlichen Strafvollzugs: Schandmaske für Ehrabschneider (3500-7000 €).

Share if you care.