Querbeet durch die Geschichte

15. November 2005, 12:59
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Kunstgeschichte in ihrer ganzen Vielfalt bietet die 37. Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten

Kunstgeschichte in ihrer ganzen Vielfalt bietet die 37. Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten noch bis inklusive Sonntag, 13. November. Von der elitären Leistungsschau des heimischen Kunsthandels ist heuer kein spezieller Trend abzulesen. Vielfalt ist angesagt.


Wien - Rund um die Hofburg kämpft man mit den Vorboten der EU-Präsidentschaft. Die Besucher der Kunst- und Antiquitätenmesse haben baustellenbedingt einen Hindernis-Parcours über Hundezonen-würdige Grünbereiche und slalomähnliche Kurse zwischen den parkenden Autos zu absolvieren. Den roten Teppich legte man - wie er zuvor die Messepräsentationen in den Palais Ferstel und Niederösterreich verband - nicht aus.

Die Ausstelleranzahl und die Besucherstatistik der Eröffnungsabende (3500 Vernissagegäste) gehören zu den wenigen Gemeinsamkeiten der beiden Messeevents. Selbst die Stimmung unter den Teilnehmern spielt in einer anderen Liga. Mit zurückhaltender Euphorie - entgegen trügerischem Wohlgetue andernorts - ist sie in den Räumlichkeiten des ehemaligen Regierungssitzes deutscher und römischer Kaiser zu bezeichnen. Bis inklusive 13. November hat man sich hier den relevanten Kapiteln der Kunstgeschichte und den begleitenden Facetten verschrieben.

Den größten Anteil am Verkaufsvolumen hält die Sparte bildende Kunst. Entgegen den Vorjahren seien allerdings keine dezidierten Trends auszumachen, "Querbeet, vom Biedermeier über Impressionismus und Zwischenkriegskunst bis zur Gegenwart", so Herbert Gieses Fazit. Entsprechend der alphabetischen Ordnung verkaufte er als erstes Kunstwerk ein Blatt Rudolf von Alts. Repräsentativ für den Bereich Klassische Moderne wechselten bei Wienerroither & Kohlbacher zwei Arbeiten Oskar Kokoschkas den Besitzer und gemäß den hier stets charmant geführten Verhandlungen werden noch andere folgen. In der Sektion Meisterzeichnungen erwies sich Robert Keil mit Paul Troger erfolgreich und Rudolf Budja (Artmosphere) mit einem Mao-Paar von Andy Warhol (70.000 Euro). Mit dem Bestseller Alfons Walde reüssierte der aus Bamberg kommende Kunsthandel Senger (65.000 Euro) ebenso wie der oberösterreichische Kunsthandel Runge.

Für 60.000 Euro wanderte ein Defregger-Mädchen bei Kovacek Spiegelgasse nach Dublin ab und Klaus Thoman trennte sich von einem Wandarrangement Markus Prachenskys. Auch angewandte Kunst erwarb man en bloc.

Die Galerie bei der Albertina gab so einen Tisch Marcel Kammerers samt Thonet-Etagere und Hoffmann-Aufsatz ab. Beim Kunsthaus Wiesinger bildet vor allem die stilistische Bandbreite französischer Tischlerkunst einen eleganten Blickfang. Etwa das Transition-Paradestück einer mit Edelhölzern marketierten Poudreuse aus den 1760/70er-Jahren (55.000 Euro). (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.11.2005)

Von
Olga Kronsteiner
  • Ferdinand Brunner, "Wenn die Sonne sinkt ...", 1905: Charakteristisch meditative Brunner-Stimmung für 65.000 Euro bei Kovacek in der Wiener Spiegelgasse.
    foto: kovacek

    Ferdinand Brunner, "Wenn die Sonne sinkt ...", 1905: Charakteristisch meditative Brunner-Stimmung für 65.000 Euro bei Kovacek in der Wiener Spiegelgasse.

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