Bosnische Serben mehrheitlich gegen Auslieferung von Karadzic

9. November 2005, 18:57
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Umfrage von "Novi Reporter": Nur ein Fünftel der Befragten für Festnahme und Auslieferung an das UNO-Kriegsverbrechertribunal

Belgrad/Banja Luka - Einer der meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher, der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic genießt weiterhin breite Unterstützung unter seinen Landsleuten. Bei einer Umfrage, deren Ergebnisse die bosnische Wochenzeitschrift "Novi Reporter" (Banja Luka) am Mittwoch veröffentlichte, haben sich sogar 64,8 Prozent der befragten bosnischen Serben gegen die Festnahme von Karadzic und seine Auslieferung an das UNO-Kriegsverbrechertribunal ausgesprochen. Nur ein Fünftel war für die Festnahme.

Karadzic wurde vor zehn Jahren zusammen mit seinem damaligen Militärkommandanten Ratko Mladic des Völkermordes in der einstigen Bosniaken-Enklave Srebrenica und sonstiger Kriegsverbrechen auf dem Gebiet Bosnien-Herzegowinas angeklagt, das während des dreijährigen Krieges (1992-1995) unter der Kontrolle bosnisch-serbischer Truppen war. Unter internationalem Druck musste Karadzic im Sommer 1996 seine öffentliche Ämter niederlegen, kurz danach war er untergetaucht. Seitdem versteckt er sich vermutlich in Herzegowina, zeitweise womöglich auch im benachbarten Serbien-Montenegro.

Ashdown weist Verantwortung zurück

Der internationale Bosnien-Beauftragte Paddy Ashdown hat gegenüber dem Belgrader Sender B-92 am Mittwoch Vorwürfe zurückgewiesen, wonach die internationale Staatengemeinschaft, die seit zehn Jahren in Bosnien präsent ist, die Verantwortung für die ausgebliebene Festnahme von Karadzic und Mladic trage. Ashdown zufolge würden die Lokalbehörden dafür verantwortlich sein.

Die Chefanklägerin des UNO-Tribunals, Carla del Ponte, will sowohl Karadzic wie auch Mladic bis Mitte Dezember im UNO-Tribunalsgefängnis sehen. Laut Ashdown hätten die Behörden in Belgrad und Banja Luka inzwischen ihren Standpunkt zu den mutmaßlichen Kriegsverbrechern geändert, was auch die Festnahme von rund zehn Personen ermöglichte, die vermutlich den Kontakt zu den Haager Angeklagten unterhalten. (APA)

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