Zwischen Hilfskraft und Lebensretter

6. Dezember 2005, 09:18
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Für die drei Sanitäter endete der Prozess mit einem Freispruch

Wien – Für die drei bei Cheibani Wagues Tod anwesenden Sanitäter endete der Prozess mit einem Freispruch – sie seien "nicht ursächlich für den Todeseintritt gewesen", urteilte der Richter. Das öffentliche Bild von Sanitätern schwankt zwischen Hilfsarbeitern oder Lebensrettern: reichen ihre Aufgaben doch vom Essen zustellen bis zur Intubation. Wer was machen darf, ist im 2002 geschaffenen Sanitätergesetz geregelt.

Grundsätzlich wird zwischen Rettungssanitäter und Notfallsanitäter unterschieden. Die Mindestausbildung für Freiwillige und Berufshelfer, die auch alle Zivildiener im Rettungswesen absolvieren müssen, dauert 300 Stunden. Rettungssanitäter dürfen Rettungs- und Krankentransporte- sowie Ambulanzdienste übernehmen.

Langer Weg

Der Weg zum Notfallsanitäter ist dann noch sehr weit: Erst nach mindestens 160 Stunden Einsatzzeit, 160 Stunden Theorie, 40 Stunden Krankenhauspraxis und 280 Stunden Praktikum kann die Prüfung vor einer Expertenkommission abgelegt werden. Nach weiteren Ausbildungsstunden dürfen, um eine unmittelbare Lebensgefahr abzuwenden, bestimmte Medikamente eigenverantwortlich verabreicht werden. Und insgesamt 1640 Stunden braucht der Helfer, um Schwerverletzte auch intubieren zu dürfen.

Einmal Sani – immer Sani, diese Regelung gilt in Österreich nicht. Alle zwei Jahre müssen zumindest 16 Stunden Fortbildung absolviert werden, diese regelmäßige Rezertifizierung gilt auch für den Umgang mit Defibrillatoren.

Der Beruf des Sanitäters – Durchschnittsverdienst: 1400 Euro – darf nur in bestimmten Organisationen ausgeübt werden: Arbeiter-Samariter- Bund, Johanniter, Malteser, Rotes Kreuz, Bundesheer, in Einrichtungen einer Gebietskörperschaft, etwa der Wiener Rettung, und Einrichtungen, die von einem Notarzt mit fünfjähriger Berufserfahrung geleitet werden. Einsätze werden von zentralen Leitstellen koordiniert, in Niederösterreich zum Beispiel von der privaten Gesellschaft Lebig, wo täglich 3800 Einsätze anfallen. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 10.11.2005)

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