Schwere Schlappe für Schwarzenegger

9. November 2005, 23:04
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Die Kalifornier ließen vier vom Gouverneur unterstützte Gesetzes- vorschläge durchfallen. Nun ist seine Wiederwahl gefährdet

Arnold Schwarzenegger hat sich überhoben: Jede Umfrage während der vergangenen Monate zeigte, dass die Kalifornier gegen die von ihrem einst so populären republikanischen Gouverneur im vergangenen Juni ausgerufenen "Sonderwahlen" eingestellt waren. An den Wahlurnen zeigten sie folgerichtig am Dienstag ihren Unmut über das, was viele von ihnen als Überfall empfanden, und stimmten alle vier vom "Governator" unterstützten Gesetzesvorlagen nieder.

Ein Grund für die Niederlage waren womöglich auch die Kosten der Abstimmung. Der ohnehin schon hoch verschuldete Staat gab dafür 50 Millionen Dollar (42,6 Mio. Euro) aus. Interessengruppen, Parteien und private Spender sollen rund 250 Millionen Dollar für Werbezwecke aufgebracht haben. Schwarzenegger steu^erte aus eigener Tasche über sieben Millionen Dollar bei. Viele Menschen hatten offenbar außerdem den Eindruck, dass die Themen, über die sie abstimmen sollten, nichts mit ihren alltäglichen Problemen und Interessen wie steigenden Benzinpreisen, Wohnungskosten oder dem Krieg im Irak zu tun haben.

Miese Umfragewerte

Diese empfindliche Niederlage für einen Mann, der noch vor Kurzem erklärte, er könne "alles verkaufen", könnte auch drastische Folgen für seine Wiederwahl im nächsten Herbst haben. Die Zustimmungsraten für "Arnie" sind von 65 Prozent bei seinem Amtsantritt auf – noch vor der Niederlage ermittelte – 36 Prozent gesunken.

Schwarzenegger zeigte sich am Dienstag jedoch keineswegs niedergeschlagen. Noch vor Ende der Auszählungen stellte er sich gemeinsam mit seiner Frau Maria Shriver seinen Anhängern, die in Sprechchören "Arnold! Arnold!" riefen, und erklärte: "Egal, was die Resultate sind – morgen sind Siege oder Niederlagen hinter uns. Egal, was geschieht, wir werden weiterhin für Kalifornien kämpfen."

Vergangenen September hatte der 2003 in einer Sonderwahl zum Gouverneur gekürte Exfilmstar und Bodybuilder angekündigt, er werde sich im nächsten Jahr zur Wiederwahl stellen. "Ich bin da nicht nur kurzfristig drin", erklärte Schwarzenegger damals unverdrossen.

Dem "Governator" verbleibt noch ein Jahr, um die zahlreich geschlagenen Wunden zu heilen und seine Popularität wieder herzustellen. Allerdings zeigen viele der politischen Beobachter in Kalifornien große Skepsis – insbesondere, da Schwarzeneggers Drohung gegenüber der demokratischen Regierung des Staates – wenn sie seinen Vorschlägen nicht zustimmten, würde er "direkt zu den Wählern gehen" – keinen Erfolg gezeigt hat und daher auch nicht mehr wiederholt werden kann.

Beatty als Gegner

Als mögliche Widersacher für den begehrten Gouverneursposten kämen unter anderem auch zwei andere Hollywood-Größen, der Schauspieler Warren Beatty und der Regisseur Rob Reiner, infrage. Beide hatten vehement gegen Schwarzeneggers Referenden kandidiert.

Zuletzt war es zwischen dem Schwarzenegger-Team und Beatty zum Eklat gekommen: Der Filmstar Beatty und seine Frau Annette Bening waren bei einer Wahlkampfveranstaltung für den Gouverneur an der Tür barsch abgewiesen worden.

Die Gewerkschaften ätzten unterdessen: "Wir sind große Fans von Arnold Schwarzenegger – aber nur wenn er Filme dreht." (sdr, red, DER STANDARD, Print, 10.11.2005)

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    Der "Governator" ist in Not: Arnold Schwarzenegger nach der Abstimmungsniederlage in Los Angeles.

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    Aufwind und Aloha: "Arnies" möglicher Gegenkandidat Warren Beatty mit Ehefrau Annette Bening auf einer Siegesparty in Beverly Hills.

  • Trost und Rat für Schwarzenegger: Der "Governator" mit Ehefrau Maria Shriver auf der unverdrossen optimistischen Nachwahlparty in Beverly Hills.
    foto: epa /kevork djansezian

    Trost und Rat für Schwarzenegger: Der "Governator" mit Ehefrau Maria Shriver auf der unverdrossen optimistischen Nachwahlparty in Beverly Hills.

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